Man könnte sagen, es fehlte der Schnee. Die Kälte. Die frostigen Finger nach einem langen Spaziergang. Man könnte sagen, Weihnachten ist nicht mehr das, was es einmal war. Könnte man. Muss man aber nicht. Und wenn ich heute auf das gerade vergangene Weihnachtsfest zurückschaue, dann kann ich sagen – und zwar aus tiefster Überzeugung – so schön wie dieses Jahr, so schön war es lange nicht. Weihnachten. 2018. Ein Fest, wie es sein sollte.

Natürlich ist kein Weihnachtsfest so schön, wie die Weihnachtsfeste, die man als Kind erlebt hat. Die Spannung, die Aufregung, die Nervosität – all das verfliegt mit den Jahren und weicht der Routine, der Erfahrung und dem Fehlen des Glaubens. Und irgendwann, in den Jahren, in den man glaubt erwachsen zu werden, verfliegt der Zauber ganz. Doch wenn man selbst Kinder hat, und die strahlenden, nervösen und aufgeregten Kinderaugen sieht, kommt eine Spur des Zaubers zurück und man wünscht sich doch, dass es all das wirklich gibt, was man früher tief in seinem Kinderherz geglaubt hat. Und vielleicht ist genau das der Punkt, der dieses Weihnachtsfest für mich so besonders gemacht hat. 

Heilig Abend

Heilig Abend. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen und ich glaube, eine großartige Idee zu haben. Uns fehlen noch einige Dinge, die wir versäumt haben zu kaufen. Ärgerlich. Aber manchmal ist es so. Also beschließe ich, um 7:45 Uhr, in die Stadt zu fahren und die letzten Besorgungen zu machen. Vor dem Geschäft an der Europastraße muss ich allerdings feststellen, dass ich nicht alleine bin mit dieser großartigen Idee. Ich treffe das halbe Dorf vor den verschlossenen Türen des Discounters und alle müssen insgeheim schmunzeln. Als die Türen sich öffnen, brauche ich zum Glück nicht lange um alles in meinen Korb zu packen, was noch fehlt.

Weihnachten beginnt bei uns am Heiligen Abend. Zum Mittagessen machen wir uns schick. Die besten Sachen werden rausgelegt, dass London Chamber Orchestra spielt uns die schönsten Weihnachtslieder und in der Küche duftet es nach fetten Burgern und krossen Pommes. Unser traditionelles Mittagessen am Heilig Abend. Jedes Jahr. Und immer wieder der Beginn unseres Weihnachtsfestes.

Spielen. Toben. Vorfreude.

Natürlich steht der Heilig Abend ganz im Zeichen unserer Kinder. Wir spielen, wir toben, wir lachen. Und – wenn das Wetter mitspielt – machen wir immer einen langen und ausgedehnten Spaziergang über den Altenoyther Esch. Damit unser Hund Andor sich noch mal richtig austoben kann. Unsere Jungs sind sich nämlich ganz sicher, dass ein ausgepowerter und ausgeglichener Hund das Christkind garantiert nicht beißt. Mag was dran sein, denn bislang hat es immer geklappt.

Nach dem Spaziergang spielen die Jungs wieder. Und die Erwachsenen gönnen sich eine heiße Tasse Kaffee. Manchmal ein Stück Kuchen, aber eher selten. Nach so einem Mittagessen muss man eigentlich lange Zeit nichts mehr essen. Aber hey, es ist Weihnachten. Drauf geschissen. 

Ja. An Weihnachten wird immer viel und ausgiebig gegessen. Und das ist vollkommen in Ordnung. Jedenfalls für mich. Weihnachten ist für mich die Zeit im Jahr, wo man einfach mal alle Sorgen vergessen und sich voll und ganz auf den Genuss stürzen kann. Man lässt den Alltag hinter sich und entspannt auf ganzer Linie. Und gutes Essen gehört nun mal dazu. Es muss nicht unbedingt traditionell sein – aber lecker!

Wenn die Sonne längst untergegangen und der Lichterglanz draußen – als auch im Haus – so richtig aufleuchtet, sitzen wir gemeinsam am Kamin und singen Weihnachtslieder. Unsere Jungs haben besonders viel Spaß, wenn irgendjemand besonders schief singt. Meistens ist es der Papa. Und der, der muss sich nicht mal wirklich anstrengen. Und irgendwann, mitten im schönsten Lied, klingelt es plötzlich und die Gesangsstunde wird ganz plötzlich abgebrochen. Dann steigt die Nervosität, die Spannung, die Aufregung… Bescherung. 

Das beste Weihnachtsfest seit langem.

Ich glaube, so glücklich, so aufgeregt, so gespannt und so voller Freude wie in diesem Jahr, waren unsere Jungs noch nie. Und wahrscheinlich ist genau der der Grund, warum dieses Weihnachtsfest so besonders war. Es war so unheimlich schön zu sehen, wie unsere Jungs sich gefreut haben. Nicht nur über die Geschenke, sondern über einfach alles. Sie hatten Spaß auf dem Spaziergang, sie freuten sich über das Essen, sie waren so zufrieden, dass man beim Zuschauen schon selbst zufrieden wurde. Alles war perfekt. Nicht, wie man sich perfekt vorstellt, sondern perfekt, wie es perfekt ist. Mit kleinen Fehlern und winzigen Ecken. Denn natürlich hat nicht alles reibungslos geklappt. Aber das ist letzten Endes egal. Denn es war schön. Dieses Jahr. Weihnachten. 

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