Meistens sind es die unscheinbaren Bilder, die eine Geschichte erzählen. Und schaut man sich einen Menschen genauer an, sollte man auf seine Hände achten. Sie erzählen die Geschichte, die sich Leben nennt. Oft prägen sich einzelne Geschichten in den Händen ab. Geschichten, die von Sorgen, Nöten und schweren Zeiten erzählen. Aber auch jene Geschichten, die von Freude, Liebe und Zuversicht zu berichten wissen.

Ich bin Vater. Von zwei wunderbaren Jungen. Und ich weiß, wie tief, grenzen- und bedingungslos diese Liebe sein kann. Ich darf sie jeden Tag spüren. Doch manchmal glaube ich, dass ein Band, dass das Leben zwischen Vater und Tochter bindet, aus einem anderen Material gewebt wurde. Aus einem ganz besonderen Material, für das mir die Worte fehlen, um es zu beschreiben. Und immer, wenn ich Zeuge werden darf, wie ein Vater seine Tochter in die Hände des Bräutigams übergibt, glaube ich, dieses besondere Band zu spüren. Es ist hart wie Stahl und dennoch sanft wie Seide. Und manchmal gebrechlich wie die Flügel eines Schmetterlings.

Der Klang der Orgel erfüllte den Raum. Laute Klänge, die leise über den Boden schwebten. Still. Andächtig. Ohne ein Wort zu verlieren, saß er in der Bank und faltete seine Hände. Die Furchen, Gräben und Narben, die das Leben in seine Hände gemalt hatte, prägten die Momente seiner Geschichte. Doch die Liebe, die er für seine Töchter in seinem Herzen trug, sie prägte mehrere Leben. Und während er seine Hände faltete wusste er, dass jene Hände die nun die Hände seiner Tochter hielten, gute und liebevolle Hände waren. Ein Lächeln und eine Träne verließen sein Gesicht und es schien mir fast, als wäre überall Friede auf der Welt.

War es nicht sonderbar, dass so wenig so glücklich machen konnte?
Astrid Lindgren aus Ronja Räubertochter

Später. Der Tag hatte sich zur Nacht gewandelt. Durch die Blätter der Bäume erzeugte der Wind ein leichtes Grundrauschen. Von der Stille, der Ruhe, die im angrenzenden Wald und an dem klaren Mühlenteich zu spüren war, bekam auf der Tanzfläche der alten Scheune niemand etwas mit. Es wurde getanzt, gesungen und gelacht.

Als der Vater seiner Tochter die Hand reichte, um mit ihr aufs Parkett zu ziehen, sah man das Glück in ihren Augen. Ein Glück, das von ihrem wundervollen Lächeln auf ganz besondere Weise unterstrichen wurde. Ja. Es gibt manchmal ein Band zwischen Vater und Tochter, das niemand beschreiben kann. Ein Band, das so voller Magie, Liebe und Hingabe ist, dass es keine Worte gibt, die diesem gerecht würden.

Es war wirklich sonderbar, wie ein so unscheinbarer Moment, zwei Menschen so unheimlich glücklich machen konnte. Und während sie tanzten, sprachen sie kein Wort. Und trotzdem wussten beide, dass sie diesen Moment bis an ihr Lebensende in sich tragen würden.

1 Antwort
  1. Rolfine Reck sagte:

    Das kann ich nur bestätigen. Vater Tochter Bindungen sind ganz besonders. Als unsere Tochter heiratete war mein Mann nicht in der Lage durch die Kirche zu schreiten. Unsere Tochter ist mit unserem Schwiegersohn zum Altar geschritten ind hat ihrem allzu geliebten Vater glücklich entgegen gelächelt. Keine Schwäche sondern Mut nennt sie es . Zuzugeben das man diese Schritte wohl alleine aber nicht mit der geliebten Tochter gehen kann.

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