Adventskranz binden

Wenn man am 1. Advent in die guten Stuben Norddeutschlands blickt, dann wird man sicherlich fast überall einen finden: Den Adventskranz. Ein dicker Kranz, aus Tannengrün gebunden und mit vier Kerzen versehen. Jedenfalls sieht so der typische Adventskranz aus. Allerdings gibt es ihnen heute in vielen verschieden Variationen. Und das ist gar nicht ungewöhnlich. Immerhin war der erste Adventskranz der Welt ein Wagenrad. Ein Wagenrad mit mehreren Kerzen. Und dieser stand in Hamburg. Denn genau da wurde der Adventskranz erfunden.

Als ich ein Kind war, hatten wir jedes Jahr zu Weihnachten einen Adventskranz. Einen riesigen, großen Adventskranz, der festlich in roten Schleifen von der Decke hin. Mit riesigen, roten Kerzen. Unser Adventskranz hing in der besten Stube. Die beste Stube war der Raum, der nur zu ganz besonderen Feiertagen betreten wurde. Einfach so in der Stube sitzen? Undenkbar. Aber vielleicht ist genau das der Punkt, der die Sache so besonders gemacht hat. Ein ganz besonderer Raum, eine ganz besondere Stimmung und die Vorfreude auf das kommende Weihnachtsfest. Vielleicht eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen.

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Der Adventskranz – eine norddeutsche Erfindung

Meine Mutter war immer sehr stolz auf ihren Kranz. Zu Recht. Aus frischem Tannengrün, etwas Basteldraht und ganz viel Liebe, band sie ihn jedes Jahr neu. Und am Abend vor dem 1. Advent, meist wenn wir schon schliefen, hing sie ihn – zusammen mit meinem Vater – in der besten Stube auf. Was ich damals aber nicht wusste war, dass der Adventskranz schon eine lange Geschichte hat.

Johann Hinrich Wichern gründete im Jahr 1833 eine Stiftung für die Betreuung von Kindern. Das Rauhe Haus, eine Stiftung die auch heute noch besteht. Und natürlich spielte in der damaligen Zeit das Weihnachtsfest immer eine große Rolle. Dementsprechend fragten die Kinder immer wieder, wann denn endlich Weihnachten sei. Und um dauerhaft eine ansprechende Antwort auf diese Frage zu haben, bastelte Wichern 1839 den ersten Adventskranz, der im Grunde genommen eher eine Art Adventskalender war.

Adventskranz

Ein typischer Adventskranz, wie er am 1. Advent in vielen Häusern & Wohnungen zu finden sein wird.

Ein altes Wagenrad mit vielen Kerzen

Der erste Kranz glich eher einem Adventskalender. Denn Wichern befestigte auf einem Wagenrad so viele Kerzen, wie es Tage vom ersten Advent bis zum 24. Dezember, als Heilig Abend, waren. Das bedeutete natürlich, dass die Anzahl der Kerzen in jedem Jahr eine andere war. 1839 waren es übrigens 23 Kerzen, falls es jemand wissen möchte. 19 kleine rote Kerzen und vier dicke Kerzen in weißer Farbe. Und an jedem Tag wurde eine neue Kerze angezündet, wobei die dicken Kerzen natürlich für die vier Advents-Sonntage gedacht waren. So konnten die Kinder ganz einfach nachzählen, wie viele Tage es noch bis zum ersehnten Weihnachtsfest waren.

IHR MÖGT DEN NORDEN, DEN WIND UND DAS MEER?

Um 1860 kam dann das Tannengrün hinzu und der Kranz setzte sich in den evangelischen Kirchen und Haushalten durch. Es ist wichtig zu betonen, dass die ersten Haushalte damals evangelisch waren, denn der Adventskranz zog erst 1925 in die erste, katholische Kirche ein. Er soll in Köln gehangen haben. Doch spätestens nach dem zweiten Weltkrieg fand man ihn dann überall und in vielen verschiedenen Formen und Farben. Denn ehrlich gesagt, es gibt keine vorgeschriebene Form, keine elementaren Farben oder Richtlinien für einen Adventskranz. Doch im Gegensatz zum ersten Adventskranz hat der heutige Kranz nur noch vier Kerzen.

Allerdings: Im Rauhen Haus in Hamburg gibt es immer noch den Kranz, den Johann Hinrich Wichern seiner Zeit erfunden hat. Dieser Tradition ist man dort treu geblieben.

Hast Du / habt Ihr auch einen Adventskranz?

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Foto:
Titelbild: © K.- P. Adler – fotolia.com
Adventskranz: © eyetronic – fotolia.com

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