Große, schwere Tropfen in kurzen, unregelmäßigen Abständen. Wind, der das Wasser von der Seite drückt. Dunkelheit und graue Wolken. Man schlägt den Kragen höher als sonst. Die Sicht durch die Brille wird immer schwerer. Es ist kalt. Ungemütlich. Und während man einen schweren Stiefel vor den anderen setzt, denkt man darüber nach, dass man sich einen Sonntagsspaziergang irgendwie anders vorstellt.

Ich bin alleine. Auf weitem Feld. Abseits der Häuser, zwischen Büschen und Sträuchern, auf alten Feldwegen. Andor läuft vorweg. Es regnet. In Strömen. Ganz bestimmt gibt es schönere Tage, auf denen man ausgedehnte Spaziergänge macht. Aber einen Hund zu besitzen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Und diese Verantwortung ist es, die mich nach draußen treibt. Mein Hund braucht Auslauf. Und ich? Ich irgendwie auch. 

Im Grunde genommen ist es egal. Es ist egal, wie das Wetter vor der eigenen Haustür ist. Denn eigentlich zählt nur die Einstellung, die man zu dem Wetter hat. Man kann es sich schlecht reden. Und manchmal ist es schlecht, wenn es nicht zu dem passt, was man sich vielleicht vorgenommen hat. Doch heute spielt es keine Rolle. Also lache ich. Laut. Hört ja niemand. Und während ich lache, lache ich darüber, dass ich mir Sorgen mache, dass jemand mein Lachen hören könnte. Ich weiß, in einer guten Stunde sitze ich wieder am knisternden Feuer, mit einem heißen Getränk in den Händen und den Blick auf die kleinen Pfützen gerichtet, die sich vor unserer Terrassentür bilden. Und bis dahin? Bis dahin ändere ich meine Einstellung. Der meiste Regen wird eh an mir vorbeigehen. 

Nach einer Stunde bin ich durchgenässt. Der Regen läuft von meinen Wangen runter. Ich spüre kalte Tropfen meinen Rücken runterlaufen. Auch Andor ist nass. Aber ihn stört es nicht sonderlich. Mich auch nicht. Jedenfalls nicht mehr. Trotzdem ist die Lust am Spaziergang vergangen und ich freue mich auf eine heiße Dusche. Und trockene Klamotten. 

Zuhause krame ich meine Jogginghose aus dem Schrank. Und meinen Lieblingspullover. Ich ziehe mir meine dicken Norwegersocken an und freue mich auf eine gemütliche Runde auf dem Sofa. Aber daraus wird irgendwie nichts. Meine Jungs stehen vor mir und haben eine großartige Idee. Wie sie finden. Ich sehe das – in diesem Moment – zwar anders, gebe mich aber geschlagen. Kinder haben, das bedeutet ja eben auch Verantwortung übernehmen. Und aufs Sofa legen kann mich später noch. Wenn die Kinder groß sind und vielleicht gar nicht mehr mit mir spielen wollen. Deswegen vergiss das mal mit der Verantwortung. Manche Dinge muss man wahrnehmen, wenn man die Gelegenheit dazu hat. Die Zeit, sie vergeht so schnell. Auch, an einem verregneten Sonntagnachmittag.

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