Meer

Es war ein wunderschöner Morgen. Zwar kalt, aber wunderschön. Und vielleicht war dieser Augenblick jener, in dem ich zum ersten Mal die Schönheit des Meeres in seiner Vollkommenheit begriff. Wir segelten zusammen über das Ijsselmeer. Große Wolkenfelder zogen über unsere Köpfe hinweg. Zwischen diesen weißen Schönheiten erstrahlte der Himmel in seinem klarsten Blau und die Wellen unter unserem Schiff spiegelten die Strahlen der Sonne auf eine magische Weise, wie ich sie nie zuvor erlebt habe. Ja, vielleicht war dieser Augenblick jener, in dem die Sehnsucht nach dem Meer zum ersten Mal in mir aufloderte.

Ich habe nie am Meer gelebt. Nie habe ich einen kräftigen Sturm an der rauen Küste selbst gespürt. Und doch habe ich, wenn der Wind günstig steht, den Geschmack von Salz auf den Lippen und den Klang der Möwen im Ohr. Lange Zeit habe ich vergessen, was ich auf dem Segelschiff erleben durfte. Die Wellen. Den Klang des Meeres. Die tobende See.  Die untergehende Sonne und der klare, volle Mond im Hafenbecken von Amsterdam. Wir schliefen an Bord. Wir aßen unter Deck. Und wir lebten, jedenfalls im kleinsten Ansatz, das Leben einer Seemannscrew.

Die Lahe, der Fluss der sich längst durch die Felder unseres Ortes seinen Weg bahnt, ist nicht die Elbe. Und die kleinen Seen, die versteckt hinter Büschen und Hügeln liegen, sind nicht die Nordsee. Möchte ich das Meer sehen, muss ich ins Auto steigen. Eine Stunde Fahrt und ich kann die Nordsee unter meinen nackten Füßen spüren.  Eine Stunde. Keine Zeit. Eigentlich keine Entfernung. Und doch sagt die Vernunft, das man nicht „mal eben“ an die Küste fährt, weil die Verpflichtungen hier warten und mahnend den Zeigefinger heben.

Sehnsucht nach Meer.

ijsselmeer Meer

Segeltour 1999 – Aus meinem Fotoalbum

Vor ein paar Tagen hat mich eine Welle erwischt. Die Grippewelle. Dementsprechend zwang sie mich zur Ruhe und in Folge dessen kam die Besinnung. Heißer Tee. Regen vor dem Fenster. Die Decke bis zum Hals gezogen. Und Dank der Technik lief die NDR Nordstory zur Unterhaltung. Die Nordsee. Die Hallig. Das Leben am Meer.

So lag ich da, die Kissen zu Recht gemacht, wohlig in der Decke eingekuschelt und verfolgte dabei die Geschichten rund um die Hallig Hooge. Ich lernte Swantje und Leif Boyens kennen, die auf ihrem Ferienhof Volkertswarft immer wieder Gäste empfangen.

Ich schaute Katrin Brogmus von der Backenswarft dabei zu, wie sie sich auf „Land unter“ vorbereitete und war einerseits begeistert und andernteils erstaunt, über die Ruhe die sie verströmte, obwohl das Meer direkt vor Ihrer Haustür hohe Wellen schlug.

Und schließlich war sie wieder da. Diese Sehnsucht. Das Meer. Die Wellen. Die Nordsee. Der Strand. Die Möwen. Das maritime Ganze. Dieser Wunsch, die See zu sehen, zu riechen, zu schmecken und zu hören. Als tobende Wellen, als frischer Wind um meine Nase, als Salz auf meinen Lippen und als rauschendes Paradies mit Untermalung der Brandung und dem Ruf frecher Möwen.

Faszination See

Kurzum. Die Liebe zum Wasser loderte wieder in mir auf. Die Begeisterung für das Meer wurde neu entfacht. Das Interesse für die Region Nordsee ist wieder da. Und mir geht es nicht um die schönen Tage im warmen Sonnenlicht. Oder die herrlichen Tage im gelben Sand, beziehungsweise das, was man landläufig als einen schönen Tag am Meer bezeichnet. Ferner geht es mir um das Ganze. Um den Sturm, die Gewalt, die Natur und die Gezeiten, was in Folge dessen das Leben am Meer wirklich ausmacht.

Im Grunde genommen ist es so, dass ich das Meer, die Nordsee, die Gezeiten und das Leben an der Küste erfahren möchte. Das ich erleben will, was es heißt, am Meer zu leben. Es ist allerdings nicht so, dass ich (derzeit) ans Meer ziehen möchte um dort zu leben. Mein Dreh- und Angelpunkt, als auch der meiner Familie, ist eben jener Ort, an dem wir gerade leben. Hier spielt sich alles ab. Hier steht unser Haus. Von hier aus arbeiten und spielen und hier sind wir glücklich.

Meer Segeln Wellen

Segeln auf dem Ijsselmeer -1999

Dennoch. Zweitausendsiebzehn soll das Meer, die See, das typisch norddeutsche einen festen Platz haben. Eine Idee. Eine Vorstellung. Eine Geschichte in Worten und Bildern. Eine Stunde ist keine Zeit. 100 Kilometer keine wirkliche Strecke. Es sind im besten Fall nur Ausreden, die einen davon abhalten, etwas zu tun, was man vielleicht gar nicht möchte. Aber ich möchte. Ich will. Demgemäß werde ich. Ans Meer fahren. Immer mal wieder.

Einfach machen…

Vor mir liegt mein Kalender. Ich blättere durch die Zeit und entdecke freie Stellen. Leere Blätter ohne Plan, ohne Ablauf, ohne Termine. Ich nehme einen Stift und ziehe einen Strich. Einen Strich, der das Blatt teilt, als wäre es der Deich, der das Meer vom Festland trennt. Diese Tage sind vergeben, festgehalten und verplant. Ohne ein Wort. Oder einen Gedanken. Ohne einen Plan. Und doch weiß ich, diese Tage dienen einem Sinn. Einem Zweck. Einem Ziel. Diese Tage dienen der Sehnsucht. Der Sehnsucht nach Meer.

 

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  1. […] war der 27. Februar. An diesem Tag keimte zum ersten Mal die Idee in mir auf. Die Idee, etwas mehr mit dem Meer zu tun. […]

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