plattdeutsche Weisheiten

Die Norddeutschen sind ein kluges Volk. Das weiß ich. Schließlich gehöre ich selbst dazu. Und das Schöne an den Norddeutschen, sind ihre Weisheiten. Plattdeutsche Weisheiten. Die fallen immer mal wieder. Und meistens passgenau. Neulich. Zum Beispiel. Da passierte mir ein Missgeschick. Mein Nachbar hat es gesehen. Er schaut hoch. Ganz ruhig. Und sagt: „Torsten. Dat bünt Geschichten in Läben, dei noah dien Tod nich wer vörkommt. (Das sind Geschichten im Leben, die nach deinem Tod nicht wieder vorkommen.)

Plattdeutsch ist eine eigene Sprache. Unsere Sprache. Typisch Norddeutsch. Manchmal bezeichnet man sie auch als Niederdeutsch, aber wenn man von hier kommt, sagt man einfach nur: Ick schnack platt. Und ganz ehrlich? Es ist wirklich so. Die meisten hier – jedenfalls hier im Dorf – sprechen platt. Fließend. Ohne Probleme. Und das ist schön.

Mein Elternhaus steht am Rande des Dorfes. In einer Reihe von alten Bauernhöfen. Mein Vater selbst, arbeitete als Zimmermann. Aber mein Großvater, damals, der bewirtschaftete eine kleine Landwirtschaft. Wir wuchsen in einem Drei-Generationen-Haushalt auf. Großeltern, Eltern, Kinder. Immer war jemand zu Hause. Und zu Hause wurde immer platt geschnackt.

Wat mutt dat mutt – Was sein muss, muss sein.

Plattdeutsche Weisheiten. Hier auf dem Land hat man sie dementsprechend schon fast mit der Muttermilch aufgesogen. Ich kann mich noch gut an einen Nachmittag im Sommer erinnern. Draußen war das Wetter schön. Und alles wäre perfekt gewesen, hätten wir nur keine Matheaufgaben für zu Hause bekommen. Ich saß am Wohnzimmertisch meines Opas. Er saß in seinem Sessel.

„Wat is dat bloß för schiet. Buten is so feinet Wär.“
„Was ist das bloss für eine Scheiße. Draußen ist so schönes Wetter.“

Opa lachte. Dann schaute er zu mir herüber.

„Wat mutt dat mutt“
„Was sein muss, muss sein.“

Er holte seinen Taschenrechner aus der Tasche und nur wenige Augenblicke später konnte ich draußen spielen. Nun ja. Aus pädagogischer Sicht wird das wohl nicht so gut gewesen sein, aber wie heißt es so schön? „Wat mutt dat mutt“.

Plattdeutsche Weisheiten

Weisheiten, Redewendungen, manchmal einfach nur lustige Sätze. Ich mag die plattdeutsche Sprache, plattdeutsche Weisheiten oder Redewendungen. Und die – meiner Meinung nach – 15 besten plattdeutschen Sätze, habe ich Euch mal aufgeschrieben. Natürlich mit Übersetzung.

all up Steed
alles in Ordnung

Dat drüppelt man blos
Es tropft ja bloß – wenn es mal wieder regnet.

Dat löpt sik t’recht.
Das wird schon wieder

De Dübel schitt up’n groden Hopen.
Der Teufel scheißt auf den größten Haufen. Sagt man z.B. wenn Wohlhabende auch noch etwas gewinnen

De Bottermelk mit de Mesförke äten.
Die Buttermilch mit der Mistforke essen. Etwas machen, was keinen Sinn ergibt.

Fell versupen
Das Fell versaufen – Ein Umtrunk nach einer Beerdigung.

Fette Gööse noch denn Moors spicken.
Fette Gänse noch den Arsch voll stecken – Sagt man, wenn man Leuten, die schon alles haben, etwas schenken will.

He fraacht di’t Hemd vört Mors weg.
Er fragt Dir das Hemd vom Arsch weg – Wenn man über neugierige Menschen spricht. In diesem Fall über einen Mann.

He is’n Pastor, sä de Buer, he verdeent sin Geld mit Snacken.
Er ist ein Pfarrer, sagt der Bauer. Er verdient sein Geld mit Reden.

He springt von enen Kluten up’n annern.
Er springt von einem Klumpen auf den anderen – Sagt man, wenn jemand ständig neue Ideen hat

Hei süppt ass ‘ne Ihle
Er säuft wie ein Egel. Blutegel. Zum Beispiel.

Ik hau di eein ane Beck, dat die’ Tannen inne Moors Klaveir spoelt.
Ich haue Dir eine ins Gebiss, dass Deine Zähne im Hintern Klavier spielen.

Wat de Buur nich kennt, dat frett he nich.
Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. 

So is dat Leven vun Sudermann, de eene schitt den annern an
So ist das Leben von Sudermann – Der eine scheißt den anderen an. ( Drama von Hermann Sudermann “Es lebe das Leben!”)

Se röökt de Kattenschiet dör de Wand
Sie riecht die Katzenscheiße durch die Wand – So spricht man von Personen, die gerne tratschen. Oder alles besser wissen.

Wenn Euch noch welche einfallen, ich welche vergessen habe oder Euch sonst etwas, witziges, plattdeutsches, einfällt – schreibt es mir doch einfach in die Kommentare. Hier, oder auf Facebook. Ich freue mich auf jeden Fall.

5 Kommentare
  1. Corinna sagte:

    Moin. Eine Frage, wie schreibe ich „wat mutt dat mutt“ denn nun richtig? Glaub du hast alle rechnerisch möglichen Varianten in deinem Artikel Der ist sonst aber echt toll, danke!

    Antworten
    • Torsten sagte:

      Du hast recht. Ich habs ein Stück weit verkackt. Aber jetzt sollte alles korrekt sein. Gut, dass Du es angesprochen hast. Wat mutt, dat mutt.

      Antworten
    • Torsten sagte:

      Ich würde behaupten, es muss “Kiek up die un nich up mi” heißen, dann würde es soviel bedeuten wie: “Schau Dich selbst an und nicht mich.” Also ich denke, dass es soviel bedeutet wie: Kümmere Dich um Deinen Kram. ;-)

      Antworten

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