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Jammern wir zu viel?

Im Grunde genommen ist dieser Beitrag nichts Anderes. Nichts Anderes als jammern. Jammern über den Zustand, dass zu viel gejammert wird. Und ja, ich erwische mich nicht selten dabei, dass ich mich über irgendwas beschwere, obwohl es im Grunde genommen nicht wert ist, dass man sich darüber beschwert. Doch anscheinend ist es wohl so. Das Jammern steckt in uns. Doch was versprechen wir uns davon?

Vor einigen Jahren steckte ich in einer Sinnkrise. In einer Sinnkrise, die zu einer Depression geführt hat. Ich war ein Meister darin, mich zu beschweren. Ein Filigrantechniker der Jammerei. Im Grunde genommen war ich immer das Opfer. Egal was passierte. Der Geschädigte war ich. Wenn etwas nicht funktionierte, waren alle anderen Schuld. Und ich glaubte ernsthaft, ich müsste mich selbst in die Opferrolle zwingen. Natürlich nicht, ohne das wirklich allen zu erzählen. Im Grunde fehlte es mir nur an Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, die ich durch das Jammern erreichen wollte. Allerdings schadete es mir mehr, als das es nützte.

Die Sinnkrise ist überwunden. Die Depression auch. Und ich habe gelernt, dass der Schlüssel zum Glück in der Dankbarkeit liegt. Dankbar sein über das, was man hat. Denn im Grunde genommen geht es uns doch gut und eigentlich haben wir keinen Grund zum Jammern. Jedenfalls die Meisten von uns nicht.

Leiden ist freiwillig

In den sozialen Netzwerken fällt es mir öfter auf. Immer wieder. Das Wehklagen. Das Herumjammern. Das mitteilen, wie schlecht es einem doch gerade geht und wie ungerecht die Welt doch auf einmal ist. Und natürlich das Verfallen in die Opferrolle. Viele bemitleiden sich selbst, ärgern sich maßlos über eventuelles Unrecht, sind deprimiert und glauben, die Welt sei voller Täter.

Nicht das wir uns falsch verstehen. Wir alle können zu Opfern von Angriffen, Verletzungen, Enttäuschungen und Schmerzen werden. Eine Tatsache, die wir nicht verhindern können. Allerdings haben wir immer Einfluss darauf, wie wir auf diese Tatsachen reagieren. Im Grunde genommen ist es so: Schmerz ist unvermeidlich. Leiden hingegen ist freiwillig.

Vielleicht klingt das gerade ziemlich hart und wenig mitfühlend. Nichtsdestotrotz ist es die Realität. Warum muss man sich tagelang gekränkt fühlen, wenn jemand eine Beleidigung ausspricht? Warum verzweifelt man fast, wenn ein Plan nicht in Erfüllung geht? Wieso muss man sein komplettes Leben unter der Erziehung der Eltern leiden?

Jammern bringt nur Nachteile

Wenn wir jammern, uns beklagen und uns ungerecht behandelt fühlen, suchen wir gerne die Schuld bei anderen. Doch sobald wir das tun, legen wir die Macht über unser Leben in deren Hände. Wir entmachten uns selbst, geben die Verantwortung ab und werden zu Opfern. Und solange wir in der Rolle des Opfers stecken, leiden wir.

Und wenn wir leiden, beginnen wir zu jammern. Wir möchten unser Leid mitteilen und hoffen darauf, Aufmerksamkeit, tröstende Worte und Zuwendung zu bekommen. Sicherlich. Es funktioniert. Am Anfang jedenfalls. Doch langfristiges Jammern bringt nur Nachteile.

Das leise Herumjammern löst die Probleme nicht. Und wenn wir leise herumklagen, ziehen wir uns selbst immer weiter nach unten. Dementsprechend jammern wir weiter, verbunden mit der leisen Hoffnung Zuwendung zu bekommen. Doch wer ständig jammert, sich selbst in die Opferrolle presst und nicht wirklich etwas ändert, verliert langfristig auch diese letzte Aufmerksamkeit.

In den südeuropäischen Ländern wird nicht gejammert. Dort wird laut geklagt. Die Menschen dort schreien sich den Frust von der Seele. Das wirkt natürlich laut und theatralisch, doch hat dieses Verhalten einen enormen Vorteil: Es entlastet. Ich habe mir das angewöhnt. Wenn mir etwas übel aufstößt, dann fahre ich an einen einsamen Ort und schreie. Ich schreie wie ein Bekloppter. Das wirkt vielleicht verstörend, aber es funktioniert. Danach geht es mir besser, ich habe den Kopf frei und kann die Dinge, die mich stören, ändern.

Dinge ansprechen. Dinge ändern. Selbst Verantwortung übernehmen.

Wenn man sich die Sätze und Techniken der Jammerei mal genau anschaut, dann stellt man oft fest, dass diese immer irgendwie indirekt sind. Verschlüsselt. Fast schon geheimnisvoll. Nur selten wird offen angesprochen, was wirklich stört. Ein Satz wie z.B. „Du bist nie wirklich für mich da“, bedeutet eigentlich: „Ich möchte gerne mehr Zeit mir Dir verbringen.“

Das Problem an dieser Technik ist, dass der Empfänger dieser Botschaft das nicht versteht, als Täter dargestellt wird und wahrscheinlich nicht den Erwartungen der jammernden Person entsprechend reagiert. Das Resultat? Die jammernde Person hat wieder Grund zu jammern.

Natürlich müssen wir über unsere Probleme sprechen. Mit der Familie. Mit Freunden. Oder mit den Menschen, die uns wichtig sind. Doch müssen wir, wenn wir das tun, Verantwortung übernehmen. Verantwortung für unser Leben und Verantwortung dafür, wie wir auf die Probleme reagieren. Denn nicht das Problem ist das Problem, sondern die Tatsache, wie wir darauf reagieren.

Dauernörgler nerven. Punkt.

Tut mir leid, wenn ich es so direkt anspreche. Aber es ist so. Dauernörgler nerven. Sie nerven nicht nur, sie manipulieren. Und obwohl sie sich gerne als schwache Person, als Opfer darstellen, sind sie es gar nicht. Manchmal wissen sie genau was sie tun und machen oft andere für ihre eigene Unzufriedenheit verantwortlich. Sie geben die Verantwortung für ihr eigenes Wohlbefinden ab.

Doch die eigene Unzufriedenheit ist die Bedingung sich weiterzuentwickeln. Unzufriedenheit ist der erste Schritt zum Erfolg. Und wenn sich nicht immer nur beschwert, herumjammert und einfach mal etwas anpackt, sich fragt, wie man etwas ändern kann, dann bewegt man sich in die richtige Richtung. Dann kann man richtig was erreichen. Man muss nur die Opferrolle ablegen und selbst Verantwortung übernehmen.

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2 Kommentare

  1. Elke
    15. März 2017 at 2:00 — Antworten

    Mit dem Text, hast du so was vom den Nagel auf den Kopf getroffen!
    Gut geschrieben!
    LG Elke

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