Torsten

Die Zeiger der Uhr wandern. Sie wandern so schnell, dass ich es kaum bemerke. Es ist kurz nach zwei. Mein Körper läuft. Er dreht. Auf Hochtouren. Deshalb sind meine Hände kalt. Darum ist Geist unruhig. Alles wehrt sich gegen diesen Schlaf. Alles sträubt sich davor, sich zur Ruhe zu legen. Mein Herz, mein Verstand, nichts davon wir schlafen. Nur meine Augen. Sie schmerzen vor Müdigkeit.

Ich brauche noch etwas. Etwas mehr Zeit. Die Nacht ist viel zu kurz, die Tage sind viel zu kurz. Das Jahr ist fast vorbei. Doch ich brauch noch etwas. Nur etwas mehr Zeit. Doch die gibt es nicht. Niemand hat mehr Zeit. Wir alle haben die gleiche Zeit und doch können wir sie nicht besitzen. Sie fließt. Wie trockener Sand durch meine Finger. Wie Wasser durch meine Hände. So sehr ich es versuche, ich kann sie nicht halten.

Nachts ist es still. Schließlich klingelt kein Telefon. Nirgends ein Auto, das hupt. Kein Fernsehen läuft. Kein Radio spielt Songs, die man eh nicht hören will. Nur das Klappern der Tastatur, das Klicken der Maus und das Surren meiner Festplatte. Sonst ist es still. Niemand möchte etwas, niemand will etwas – das was die Nacht mit sich bringt ist Finsternis. Und Ruhe. Tödliche Ruhe, die – wenn man sich zu lange darauf einlässt – wahnsinnig machen kann.

Gerade exportieren Fotos. 600. 700. Irgendwas dazwischen. Zeit um kurz durchzuatmen. Die Arbeit für den Tag ist abgeschlossen. Die Zeiger wandern weiter. Viertel nach zwei. Abschalten. Runterkommen. Hinlegen und schlafen. Aber das ist nur ein Plan, eine Idee, eine Vorstellung.

Um 6:00 klingelt der Wecker.

Um drei werde ich mich hinlegen. Um halb vier einschlafen. Falls der Kopf spielt mit.  Und um sechs klingelt der Wecker. Jeden Tag. Samstags. Sonntags. Jeden Tag. Den Wecker kann man nicht abstellen. Er lebt. Er liebt. Er ist ein Teil unserer Familie. Ich könnte ihn rausschmeißen, vor die Tür jagen oder im Garten laufen lassen, schließlich haben wir Platz und Gelegenheit. Aber das ist nicht das Gleiche. Mein Kopf spielt da nicht mit.

Zwanzig nach zwei. Ich packe meine Tasche. Meine Kamera, die Akkus, die Objektive. Ich hoffe auf gutes Wetter. Es wäre schön, würde es nicht regnen. Die Akkus meiner Videokamera sind noch nicht geladen, was mir gerade einfällt. Das darf ich nicht vergessen. Ich brauche das Material, den Content, die Videos und eigentlich – eigentlich brauche ich sie nicht. Die Kamera, den Content, die Videos.  Ich brauche es nicht. Aber in meinem Kopf wäre das eine Katastrophe. Ein Grund für meine Schlaflosigkeit.

Halb drei. Meine Augen melden sich. Sie schmerzen. Die Lider schließen sich immer mal wieder. Geistig bin ich fit. Doch vielleicht meine ich das nur und meine Sinne spielen mir einen Streich? Alles ist erledigt. Jedes Detail ist vorbereitet. Morgen kann ich zeitig losfahren und rechtzeitig ankommen. Ich schließe alles ab und lasse alles los. Schlafenszeit. Jetzt. Um zwanzig vor drei.

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