Das Karussell dreht sich. Die bunten Lichter erhellen die Nacht und die Musik trägt Dir die Erinnerungen längst vergangener Tage an Dein Ohr. Trotzdem schafft sie es, der Stille ihren Raum zu lassen. Es ist die eintönige Melodie, die man schon aus der Vergangenheit kennt und die einem, obwohl sie sehr vertraut erscheint, einen kleinen Stich ins Herz versetzt. Eine kleine Träne bahnt sich ihren Weg. Direkt aus dem Herzen wandert sie durchs Auge und möchte auf dem Asphalt ihr Ende finden. Doch dort kommt sie niemals an, weil die Kälte der Nacht ihr längst den Atem genommen hat.

Das Wörterbuch in meinen Händen erklärt mir mein Leben. Und es erzählt mir, dass die Trauer ein starkes, seelisches Leiden ist, das als Verzweiflung definiert wird, welche man in einer Notlage oder aus einem Verlust heraus verspürt. In der Schule brachte man mir bei, dass ich mich auf mein Wörterbuch verlassen kann, dass ich mich auf die Definitionen und Bestimmungen daraus verlassen kann. Doch das Leben selbst zeigt mir immer wieder, dass sich Trauer oft unterschiedlich ausdrückt. Manchmal… Manchmal kann man den tiefen Kummer, der sich hinter der Traurigkeit verbirgt, gar nicht erkennen. Und das Gemeinste daran ist, dass in dem Moment, in dem man glaubt alles überstanden zu haben, alles wieder von vorne losgeht. Und immer, immer wieder verschlägt es Dir den Atem.

Die Menschen machen es einem leicht, den Glauben an sie zu verlieren. Und manchmal sind es die, von denen man es am wenigsten erwartet, die einem still, leise und heimlich einen Dolch durch den Rücken direkt ins Herz bohren. Zunächst merkt man es nicht. Es fühlt sich an wie eine warme Umarmung, wie eine herzliche Begrüßung. Doch schon nach kurzer Zeit wird aus der Wärme ein Ziehen. Ein Ziehen, dass sich durch alle Bereiche deines Körpers bewegt und im Zentrum Deines Herzens zum Ende kommt. Dann wird es kalt und kurz darauf folgt Finsternis. Du spürst nichts mehr. Du fühlst nichts mehr. Die Welt um Dich herum ist plötzlich leer. Und alles wird dunkel.

Doch die Dunkelheit kann nicht gewinnen, denn jedes noch so kleine Licht hat die Kraft die Finsternis zu erhellen. Und selbst dann, wenn die Welt um Dich Dir kalt, finster und grau erscheinen mag und Du glauben willst, dass jede Umarmung ein Stich ins Herz bedeutet, solltest Du die Hoffnung nicht verlieren. Denn die Hoffnung ist das Licht, nachdem Du in der Finsternis suchst. Sie ist keine Erwartung, die Dir Enttäuschung bringen kann. Hoffnung ist das Gefühl, das Wunder entstehen lässt. Hoffnung ist das Gefühl, dass Dich weitermachen lässt. Sie ist Dein Anker auf hoher See und Dein Sicherheitsgurt bei einer viel zu schnellen Autofahrt.

Ich kann nicht schlafen. Es fällt mir schwer. Obwohl ich die Ruhe mag, kann ich sie nicht finden. Obwohl mir die Stille am Herzen liegt, findet sie keinen Platz. Vielleicht ist es die Musik, die immer wieder leise an mein Ohr dringt. Vielleicht ist es das Karussell, mit seinen bunten Lichtern, die langsam tanzend die Finsternis erhellen. Vielleicht muss ich den Fuß raushalten, anhalten, aussteigen. Vielleicht muss ich diesen Platz für eine Weile verlassen. Einfach mal weggehen. Für einen Augenblick. Für einen kurzen Moment. Vielleicht muss ich das. Wer weiß das schon?

 

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