Hochzeiten in Norddeutschland

Sind die Stiefel vorne nass - regnet das.

Es ist ja kein Geheimnis. Ich bin Hochzeitsfotograf. Ich fotografiere Hochzeiten. Und im Sommer, in der Hochzeitshochsaison, bin ich oft unterwegs. Nun. Man könnte davon ausgehen, dass sich das Wetter während dieser Jahreszeit immer von seiner besten Seite zeigt. Sonne. Blauer Himmel. Hohe Temperaturen. Aber hier in Norddeutschland ist das nun mal anders. Und in diesem Jahr auf jeden Fall. Aber, was soll man machen? Was soll man machen, wenn es regnet? Meine Antwort: Das Beste draus.

Der Himmel hängt voller Wolken. Und die haben es in sich. In wahrstem Sinne des Wortes. Vollgepackt mit Regen ziehen sie über unsere norddeutsche Heimat. Und gerade über dem ungünstigsten Ort der Region entladen sie sich. Volle Kanne. Es regnet über dem Haus in dem an diesem Tag Hochzeit gefeiert werden soll. Doch seltsamer Weise trübt das trübe Wetter die Stimmung in keiner Weise. Zwar macht sich etwas Enttäuschung breit, man hatte sich das alles doch etwas anders vorgestellt, aber das Wetter kann ja niemand beeinflussen. Zum Glück. Eigentlich.

Doch was macht man, wenn man heiraten möchte und es regnet? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Das Beste draus. Man holt die Gummistiefel aus dem Regal, schnappt sich einen Regenschirm – im besten Falle zwei und geht raus. Nach draußen. In den Regen. Alternativ kann man natürlich auch Fotos im Gebäude machen, aber diese haben niemals den Charme den Fotos haben, die in der freien Natur geschossen werden.

Der Hochzeitsfotograf in alten Klamotten

Seit 2014 durfte ich schon einige Hochzeiten begleiten. Und wenn ich mich an die vergangenen Trauungen zurückerinnere, dann fällt mir eine Sache immer wieder auf, die sich wie ein roter Faden durch eine Hochzeitskarriere zieht: Spätestens beim Betreten der Kirche habe ich eine dreckige Hose. Und es ist egal, wie das Wetter mitspielt. Meine Hose ist in irgendeiner Art und Weise dreckig.

Anfangs war mir das ziemlich unangenehm. Alle Gäste sind wunderbar angezogen. Die Frauen tragen ihre schönsten Kleider. Die Männer sind in edlen Zwirn gehüllt – nur der Fotograf sieht aus, als hätte er gerade noch tausend Rinder von der Westweide zur Ostweide getrieben. Überspitzt formuliert. Aber im Ansatz richtig. Allerdings immer mit dem Wissen, tolle Fotos vom Shooting auf den Speicherkarten zu haben. Und im Grunde genommen ist dieses Wissen der Punkt, der mein Gewissen immer wieder beruhigt. Außerdem kommt der Fotograf ja in den seltensten Fällen mit aufs Foto.

Am letzten Wochenende half es übrigens nichts, dass ich an den Abenden zuvor meinen Teller leer gegessen hatte. Vielleicht hatte ich dieses Konzept einfach überspitzt. Vielleicht hat es auch nie wirklich funktioniert und ich habe ganz umsonst riskiert an Adipositas zu erkranken. Macht nichts. Manchmal muss man Risiken eingehen. Manchmal muss man riskieren nass zu werden. Oder fett. Hauptsache das Ergebnis am Ende macht zufrieden und glücklich.

Hochzeiten in 2018

Auch im nächsten Jahr wird wieder geheiratet. Hier. In Norddeutschland. Und auch ich werde dann wieder unterwegs sein. Als Hochzeitsfotograf. Die ersten Termine sind bereits fest verbucht und mit einem dicken Marker im Kalender hinterlegt. Und trotzdem ist dieser Artikel der letzte Artikel zum Thema Hochzeit. Jedenfalls auf diesem Blog. Hier. Auf Zwischenzeiten.com. Hier wirst Du zukünftig nichts mehr zum Thema Heiraten finden.

Vielleicht sind Dir die Veränderungen am Aussehen dieses Blogs bereits aufgefallen. Hier und da hat sich etwas verändert. Hier und da wird sich noch einiges ändern. Und vielleicht ist Dir ja sogar der Countdown auf der Startseite aufgefallen. Dieser zählt runter. Zu dem Tag, an dem die Veränderungen an dieser Seite voll und ganz abgeschlossen sein sollen. Dieser Blog, mein Blog, war nie als Hochzeitsblog geplant. Doch wie das Leben nun manchmal ist und wie sich die Geschichten manchmal schreiben, wurde er es doch. Irgendwie.

Vielleicht war es die Angst, die mich trieb. Vielleicht war es das Fehlen von Mut. Von Mut vor dem Risiko. Vielleicht war es die Angst vor Ablehnung. Keine Ahnung. Das spielt auch alles keine Rolle. Wichtig ist nur, worauf es ankommt. Und es kommt nicht darauf an, was man ist – sondern wer man sein will. Und in diesem speziellen Fall kommt es darauf an, was eben dieser Blog sein soll.

Norddeutschland. Der Norden, der Wind und das Meer.

Ich bin gerne auf Hochzeiten unterwegs. Ich fotografiere gerne Hochzeiten. Und gerne gebe ich dafür meine Wochenenden her. Das ist so und das wird so bleiben. Jedenfalls solange mich Menschen dabeihaben wollen. Aber ich bin mir eben auch bewusst, dass vielleicht eines Tages der Tag kommt, an dem ich die letzte Hochzeit begleiten werde. Und wenn dieser Tag kommt, dann ist das nicht schlimm. Vielmehr werde ich dann dankbar zurückblicken und mich an all die vielen schönen Stunden erinnern, die ich mit „meinen Brautpaaren“ erleben durfte.

Wenn dann der Tag gekommen ist, möchte ich keinen Plan B haben. Ich möchte nicht überlegen müssen, was ich machen soll. Stattdessen möchte ich jetzt etwas aufbauen. Etwas, dass mich wirklich interessiert, das mir wirklich Spaß macht. Ich möchte kein Trainer oder Coach sein, kein Mensch der Erfolgsrezepte an den Mann bringt oder anderen Leuten erzählt, wie sie am besten Leben sollen. Denn davon habe ich wirklich keine Ahnung.

Stattdessen möchte ich Geschichten erzählen. Vom Norden. Vom Wind und vom Meer. Ich möchte Euch Tipps geben, wo ihr am besten Kuchen essen könnt, wo die See besonders rau ist und welche Flecken unserer schönen Region ihr unbedingt gesehen haben solltet. Ich möchte Euch von Menschen erzählen, die wie ich das Meer leben und deren Geschichten Euch vielleicht beeindrucken könnten. Mit Fotos möchte ich Euch die Schönheiten unserer Region näherbringen und in meinen Videos möchte ich Euch die Abenteuer der See auf die Bildschirme zaubern.

Manchmal regnet es…

Mit einem Ohr hörte ich die Frage, warum es ausgerechnet an diesem Tag regnen muss. Doch ich glaube, dass die Wolken nicht wissen, warum sie in diese oder jene Richtung fliegen. Sie wissen nicht, warum sie mal schnell und mal langsam unterwegs sind. Manchmal glaube ich, sie folgen einem Impuls. Einem Gefühl, dass ihnen sagt, dass sie jetzt genau hier oder dort sein müssen.

In den letzten Jahren habe ich einiges getan, einige geändert und immer mal wieder Dinge über Bord geworfen. Manchmal habe ich abweisende Blicke bekommen. Manchmal Zustimmung. Es gab Dinge, die ich tat, weil ich glaubte, dass ich sie tun muss. Manche Sachen habe ich gemacht, weil ich Angst davor hatte Schiffbruch zu erleiden. Und manchmal regnet es einfach.

Aber wenn man tief in sich geht und man sich vorstellt, dass man nicht scheitern kann, was würde man dann tun? Was würde man machen, wenn man nur einen Schuss hätte? Und vielleicht muss man manchmal einfach in der Weite stehen und zum Horizont blicken. Vielleicht erkennt man dann die Strukturen des Himmels und man erlebt diesen Impuls, dieses Gefühl, der auch die Wolken dorthin treibt, wo sie gerade sein sollen.

… und manchmal scheint die Sonne.

Ich kann Dir nicht sagen, ob ich alles richtigmache. Fragt man Menschen, die sich mit dem „Business“ auskennen, werden sie sicherlich sagen, dass es falsch ist. Weil es eigentlich keinen Sinn macht. Weil es irgendwie dann doch unvernünftig ist. Weil der Wiedererkennungswert, den man sich erschaffen hat, auf einmal weg ist.

Aber wenn man glaubt, dass das der richtige Weg ist und der Glaube sich mit der Angst den Weg teilt, sollte man es tun. Dann sollte man die Vernunft, die Logik und jegliche Erfahrungen einfach mal hinter sich lassen. Man sollte es hinter sich lassen und einen neuen Weg gehen. Selbst dann, wenn man es schon so oft getan hat. Denn eines ist sicher: Manchmal regnet es und manchmal scheint die Sonne. Und nur man selbst entscheidet, was man davon hält…

Also werde ich in den nächsten 91 Tagen hier einiges verändern. Auch auf die Gefahr hin, dass das nicht jedem gefällt. Denn man kann nicht jedem gefallen. Und wenn sich Menschen dazu entschließen, diesen Blog nicht mehr zu lesen, dann ist das vollkommen in Ordnung. Dann sage ich auf Wiedersehen, verbunden mit der Dankbarkeit für die Vergangenheit. Und wenn sich Menschen dazu entschließen, diesen Blog wieder, weiterhin und von jetzt an zu lesen, bin ich auch Dankbar. Dankbar verbunden mit der Aussicht auf eine spannende Zukunft. Hier. Im Norden. Im Wind. Am Meer.

Für alle Hochzeitsinteressierten:

Für alle, die weiterhin am Thema Hochzeit interessiert sind: >>Meine Webseite  / >>Meine Facebook-Seite zum Thema Hochzeit!

 


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