Regen setzte ein. Aus dem dunklen Nachthimmel fielen die ersten Tropfen. Einige landeten in den Feuern, welches der Wirt vor dem Lokal entzündet hatte. Sie zischten kurz und verwandelten sich daraufhin in kaum sichtbaren Dampf. Doch je stärker der Regen wurde, desto weniger Chance hatten die Feuer am Leben zu bleiben. Sie kämpften noch einen Augenblick, bis sie schließlich aufgaben.

Für den DJ war das eine feine Sache. Doch für die Gesellschaft, die sich in der Wärme der Nacht aufhielt, war der Regen nicht tragbar. Sie beendeten ihre Gespräche und begaben sich in den Festsaal. Einige gingen direkt zur Theke, wo sie ihre Unterhaltungen fortführten. Andere tobten sich auf der Tanzfläche aus. Sie tanzten zum Beat der Musik. Ausgelassen. Fröhlich. So, als ob sie niemand sähe.

Der Vater der Braut mischte sich unter die tanzende Menge. Er gesellte sich zu seiner Tochter, die ganz ausgelassen feierte. Ganz losgelöst und vollkommen entspannt bewegte sie sich zu dem Rhythmus der Musik. Sie ließ den Bass und die Klänge durch ihren Körper gleiten. In dem weißen Kleid wirkten ihre Bewegungen fast engelsgleich.

Ich stand am Rand. So, wie ich es immer tat. Und für einen Augenblick ließ ich meinen Blick über die tanzende Menge schweifen. Dann nahm ich meine Kamera, fokussierte den Vater der Braut und hielt mich an seinem Blick fest. Er schaute zu seiner Tochter. So, wie nur ein Vater seine Tochter ansehen kann. Sein Blick war voller Liebe. Voller Zuversicht. Unvorstellbar glücklich und unsagbar stolz. Er lachte. Aber nicht so, wie man auf Fotos lacht. Er lachte mit seiner Seele. Mit seinem Herzen. Mit seinem ganzen Sein. Vielleicht ist es niemanden wirklich aufgefallen. Vielleicht hat es niemand gesehen. Vielleicht war es ihm in diesem Moment selbst nicht bewusst. Und es spielte auch keine Rolle, denn dieser Moment, er gehörte ihm allein.

Früher, vor ein paar Jahren, wäre es mir sicherlich nicht aufgefallen. Früher hätte ich es nicht bemerkt. Doch mit dem Alter wird man reifer. Und manche Dinge im Leben erschließen sich einem erst dann, wenn man selbst Kinder hat. Wenn man versteht, was Elternliebe bedeutet. Es sind diese kleinen, unscheinbaren Momente, in denen einem das Herz so weit aufgeht, dass die ganze Welt darin Platz finden könnte. Diese Momente, in denen man sieht, wie glücklich die eigenen Kinder sein können.

Manchmal, wenn mein Sohn ganz losgelöst in seinem Zimmer spielt. Manchmal, wenn er etwas Neues entdeckt und ganz aufgeregt von seiner Entdeckung berichten möchte. Manchmal, wenn er zum ersten Mal etwas selbst geschafft hat und vor Stolz fast platzt. Manchmal, wenn er einfach lacht. Ohne Grund. Wenn er einfach nur glücklich ist.

Und dann tanzte der Vater. Einfach so. Ganz losgelöst. Mit dem Strahlen in seinen Augen und dem Glanz aus seinem Herzen. Und die Freude, die er spürte, überströmte den Saal und es war ein Gedicht, ihm dabei zuzusehen. Plötzlich wurde es leise. Um mich herum. Doch diese Stille spürte niemand. Sie war in mir drin. Ich wurde ganz ruhig und merkte, dass etwas mich in diesem Augenblick vollkommen ausfüllte. Es war ein wunderbares Gefühl. Ein Gefühl, dass mich immer überkommt, wenn ich glückliche Menschen sehe. Ein Gefühl, das mich überkommt, wenn ich meine Söhne sehe, an meine Frau denke und das Bild meiner Familie vor meinen Augen sehe. Ein Gefühl, das neben der Liebe vielleicht eines der schönsten Gefühle überhaupt ist.  Dankbarkeit.

 

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