Heimathafen

Wenn man mich als Kind gefragt hat, welchen beruflichen Zweig ich später einmal einschlagen wollen würde, war Pirat eine mögliche Antwort. Augenklappe, Enterhaken und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Mein Heimathafen wäre irgendwo an der Nordsee gewesen und mein Schiff natürlich eines der schönsten Segelschiffe auf dem Meer. Und selbstverständlich mit der größten Piratenflagge, die Nord- und Ostsee je gesehen haben. Später erkannte ich dann irgendwann, dass die beruflichen Perspektiven für Piraten nicht gerade die besten waren. Da die Menschen bereits alle Strände umgepflügt hatten, war es um die Schätze schlecht bestellt. Und dann war da natürlich noch die Sache mit der Illegalität. Ich entschied, dass Pirat nicht die beste Idee war und machte was anderes.

Wahrscheinlich war es die romantische Vorstellung vom Piratenleben, die eben jene Faszination in mir auslöste. Die andere Jungs bei der Idee des Feuerwehrmannes oder des Astronauten hatten. Dass das Leben als Pirat, Astronaut oder Feuerwehrmann seine Schattenseiten mit sich bringen könnte, daran hatte ich nie gedacht. Und welcher Junge denkt schon darüber nach, dass man manchmal leblose Personen aus zerstörten Autos bergen muss? Und wer möchte es ihm erzählen? Nein. Die Vorstellung ein Pirat zu sein, war grandios. Unendliche Freiheit, kaum Regeln, fast immer auf dem Meer und im Grunde genommen jeder Hafen ein Heimathafen.

Die Sehnsucht nach Freiheit

Wahrscheinlich war ich schon immer ein freiheitsliebender Mensch. Ein Mensch, der sich nach Erfüllung und Ausdehnung sehnt. Während die anderen Kinder von ihren Nachmittagen in Oldenburgs Fußgängerzone berichteten und wie cool es war, dort in diversen Läden zu shoppen, freute ich mich stets über die Nachmittage auf den Feldern hinter meinem Elternhaus. Nachdem einige meiner Freunde in die großen Städte zogen und von dem aufregenden Leben bzw. Nachtleben dort berichteten, freute ich mich über die Stille und den Sternenhimmel, den ich hier auf dem Land erleben durfte. Nein. Ich könnte nie in einer großen Stadt leben. Ich könnte mich nie an den bunten Lichtern, den vielen Menschen und an der ständigen Bewegung erfreuen. Und manchmal gibt es einfach Tage, an denen ich die Einsamkeit der Geselligkeit vorziehe. Ja. Die Ruhe, die Weite und der Sternenhimmel sind Teile, die zu meinem Heimathafen dazugehören.

Die Stadt ist kein Ort für mich. Und sie wird es niemals sein. Das rege Treiben, die vielen Menschen und der Drang danach, immer etwas erleben zu müssen – das entspricht einfach nicht dem, was ich bin. Selbst große Menschenansammlungen versuche ich immer öfter zu meiden. Festivals, Stadtfeste, Zeltfeten – wenn Du mich dort triffst, bin ich beruflich dort. Einen anderen Grund wirst Du nicht mehr finden. Zugegeben.

Zwischenzeiten – Heimathafen

Heimathafen Nordsee

Wir alle müssen unseren eigenen Weg gehen. Jeder von uns muss seinen eigenen Heimathafen finden. Den Ort, den er immer wieder ansteuern möchte, wenn er sich zu Hause fühlen will. Und der Heimathafen, den man irgendwann in sein Herz schließt, muss kein Ort sein. Es reicht, wenn es ein Gefühl ist. Ein Gefühl, dass einen mit Glück, Zufriedenheit und innerer Ausgeglichenheit erfüllt. Ein Gefühl, dass einer Leidenschaft entspricht, für die man brennt. Manchmal ist es so, dass wir tief in unserem Herzen spüren, wo sich unser Hafen befindet, ihn aber nicht sehen können, weil sich Glaubenssätze, Regeln und vorgefertigte Meinungen wie ein dichter Nebel über die Küste legen. Und manchmal ist es Angst, die unsere innere Wahrnehmung trübt.

Ich bin kein Pirat geworden. Nicht mal Seemann. Ich lebe nicht an der Küste und fahre nicht jeden Tag rauf aufs Meer. Mein Hafen ist mein Blog. Und meine Anlegestelle sind die Geschichten, die ich erzählen möchte. Vom Meer. Von der See. Vom Norden, in dem ich lebe. Ich habe die Segel gesetzt und Fahrt aufgenommen. Von der Brücke aus kann ich die Weite sehen und das Wetterradar zeigt mir, dass ein Sturm aufkommen kann. Mein Bug kann die Wellen durchschneiden. Vielleicht strömt Wasser ans Deck, vielleicht zerreißt der Sturm meine Segel. Doch nach jedem Unwetter beruhigt sich die See und was bleibt sind Erinnerungen an ein Abenteuer. Ich finde, dass das eine schöne Aussicht ist. Und nur das zählt. Am Ende.

 

 

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