Februar

Es ist wieder Februar. Und das erste Licht des Tages fällt fast ungesehen auf die kalten Steine des unbedachten Bürgersteigs. Während unser fast regungslos vor dem Kamin schlummert, hört man durch die Scheiben, in der Ferne, einen Hund bellen. Aufgeben. Langsam wird es mir klar, dass ich mich dazu entschlossen habe. Aufzugeben. Aufgeben, Dich zu hassen. Februar.

Es riecht nach Kaffee. Toast. Und Regenschauern. Mein Blick schweift durch die nassen Scheiben. Nicht ganz da. Noch nicht wach. Irgendetwas zwischen Winterschlaf und Frühjahrsmüdigkeit. Der Löffel mischt die Milch unter. Schon eine ganze Zeit. Und während der Klang des Metalls, das immer wieder auf Porzellan trifft, eine Gleichmäßigkeit einnimmt, spielt mein Kopf ganz leise Klavier. Sanfte Töne an kalten Tagen. Februar.

Wir waren nie Freunde. Nie Kollegen. Wir hatten nie dieses Band, dass uns auf die ein oder andere Weise verbunden hat. 28 Tage. Ein Monat im Jahr. Du warst nie viel wert für mich und ich schrieb Dir nie je eine Zeile. Doch heute ist es anders. Alles ist anders. Und ich bin froh, dass Du da bist. Hier. Februar. Du löst den Januar ab, diesen einen, den ich nie vermissen werde. Und ich hasse Dich nicht mehr. Nie mehr.

Februar. Nie warst Du schöner für mich.

Ich weiß nicht, was Du mitbringst. Keine Ahnung, was Du im Gepäck hast. Vielleicht Kälte. Oder Sturm. Vielleicht Schmerz und Verzweiflung. Und vielleicht ist alles anders. Anders, als man es erwartet. Wärme. Lachen. Freudestrahlen. Vielleicht bringst Du die Hoffnung und servierst sie auf einem Silbertablett. Vielleicht Erlösung. Ein helles Licht nach einer dunklen Nacht. Wer weiß das schon. Ich nicht. Meine Erwartungen sind nichtexistent. Und daher begegne ich Dir, wie ich es immer hätte tun sollen. Mit einem Lächeln.

Achtundzwanzig Tage. Kapitel zwei. Kein neuer Anfang, aber eine neue Geschichte. Ordnung und Struktur. Alltag und Erzählungen. Keine Vorsätze, aber Ziele. Ich reiche Dir meine Hand. Ob Du sie nimmst, bleibt Dir überlassen. Wir müssen keine Freunde sein. Doch respektieren sollten wir uns. Ich lasse Dir den Karneval. Das närrische Treiben in den bunten Straßen. Du lässt mir die Stille, abseits der Wege, weit weg von den Häusern. Und wenn Du willst, gehen wir Hand in Hand und doch weit voneinander entfernt.

Ich mache Dir ein Geschenk. Meine Energie. Aufmerksamkeit. Ich widme Dir meine Zeit und meine Gedanken. Und dafür erwarte ich nichts. Keine Gegenleistung. Kein Gefallen. Vielleicht etwas wohlwollen. Aber im Grunde bist Du da nicht anders, als die Anderen. Nur kürzer. 28 Tage. Februar. Wir werden sehen was Du bringst. Aber hassen? Nein. Das werde ich Dich nicht. Nicht mehr. Nie mehr. Am Ende gewinnt immer die Liebe. Du weißt das. Ich weiß das. Und wir beide glauben, dass nur die Welt es manchmal vergisst.

Vielleicht sollten wir sie manchmal daran erinnern… 

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