Grünkohl

Grünkohl. Typisch norddeutsch. Würde ich jetzt einfach mal behaupten. Dementsprechend glaube ich, dass es kein Geheimnis ist, dass Kohlfahrten im Oldenburger als auch im Bremer Land eine lange Tradition haben. Außerdem würde ich sogar behaupten, dass Kohlfahrten, Kohlgänge oder Kohltouren eine typisch norddeutsche Sache sind. Und am kommenden Wochenende heißt es auch für mich wieder: Grünkohl? Ja. Bitte. Danke. Ich freu mich.

Grünkohl wird in Deutschland übrigens schon seit dem 16 Jahrhundert gegessen. Und meine Oma hat früher immer gesagt, dass Grünkohl vor der Ernte erst dem kalten Frost ausgesetzt sein muss. Erst dann würde er sein volles Aroma entfalten. Es ist so, dass der Geschmack des Kohls von dem Zuckergehalt abhängig ist. Ein hoher Zuckergehalt nämlich sorgt dafür, dass dieses Gemüse seinen typisch herbsüßen Geschmack erhält. Und je kälter das Klima, desto geringer der Stoffwechsel der Pflanze. Friert es, funktionieren die Enzyme der Pflanze nicht, die für den Abbau des Zuckers verantwortlich sind. Aus diesem Grund sorgt der Frost dafür, dass sich der Geschmack der traditionellen Kohlsorten verändert. Würde es nicht frieren, würde der Kohl bitter schmecken.

Ich bin jetzt kein Ernährungswissenschaftler oder Gemüsedoktor. Aber im Grunde genommen ist es so. Allerdings gibt es mittlerweile, dank der industriellen Landwirtschaft Grünkohlsorten, die von Vorneherein einen hohen Zuckeranteil haben. In Folge dessen könnte man, rein theoretisch – praktisch wahrscheinlich auch – das ganze Jahr über Grünkohl essen. Und das ist eigentlich gar nicht schlecht, denn kein anderes Gemüse enthält so viel Vitamin C wir Grünkohl. Selbst Rindfleisch kommt an den Eisengehalt der grünen Palme nicht heran. Allerdings kommt das für mich nicht in Frage. Für mich ist Grünkohl ein Wintergemüse. Immer nach dem ersten Frost. Da bin ich traditionell.

Kohlfahrten, Kohltouren und Kohlgänge

Wenn man dieser Tage hier, im norddeutschen Raum, unterwegs ist, kann man sie eigentlich gar nicht übersehen. Zahlreiche Menschen reisen mit Bollerwagen über die teils holperigen, teils gut befestigten Landstraßen. Dabei kanistern sich die Damen und Herren gerne mal leicht einen in den Kopp um am Ende in einer der zahlreichen Gaststätten einzukehren, in denen das grüne Gold mit Kartoffeln, Pinkel, Kassler und Kochwurst serviert wird.

Vereine, Firmen oder einfach ein Haufen Freunde treffen sich, meist am Wochenende, um gemeinsam eine Kohlfahrt, einen Kohlgang oder eine Kohltour zu starten. Dass während dieser kleinen Reise Buttermilch getrunken wird, ist lediglich ein Gerücht. Vielmehr ist es so, das hier Punkt 5 meiner Auflistung „typisch norddeutsch“ zum Tragen kommt. Der allgemeine Norddeutsche nutzt die Kohltour um sich gepflegt und mit Stil einen hinter die Binsen zu kippen. Mit reichlicher frischer Luft in den Lungen und leicht angetüdert im Kopf, schmeckt der Grünkohl gleich viel besser. Was natürlich nicht bedeutet, dass man nur betrunken Grünkohl essen kann.

Grünkohl. Meine schönste Geschichte.

Am Wochenende findet wieder ein Kohlgang statt. Im Kreise der Familie reisen wir durch den schönen Ort Visbek um am Ende der Tour herzhaft reinzuhauen. Grünkohl. Kartoffeln. Pinkel. Kochwurst. Einfach mal das komplette Programm. Wenn ihr mir auf Instagram folgt, dann könnt ihr sogar – Dank der Insta-Storys – irgendwie dabei sein.

Wenn ich an Grünkohl und Kohlfahrten denke, dann fällt mir eine Geschichte ein, an die ich immer wieder gerne zurückdenke. Damals war ich noch Mitglied in einem Altenoyther Verein. Aus Zeitgründen musste ich diese Mitgliedschaft allerdings beenden. Egal. Wir trafen uns bei der Partyhütte eines Vereinsmitgliedes. Es lag Schnee. Viel Schnee. Es war kalt. Richtig kalt. Und wir hatten Mühe, den Bollerwagen überhaupt zu der Hütte zu ziehen. Aus diesem Grund entschlossen wir uns, den Kohlgang auf ein Minimum zu reduzieren. Von der Hütte bis zur Gaststätte wären es – unter normalen Umständen – gut zehn Minuten gewesen. Im Regelfall viel zu kurz für einen Kohlgang, aber unter den damaligen Bedingungen hätte es sicher noch eine halbe Stunde gedauert.

In der Hütte knisterte das Feuer. Musik dröhnte aus den Boxen. Kaltes Bier und noch kälterer Kräuterschnaps stand auf dem Tisch. Gläser. Knabbereien. Hier hatte sich schon vorab jemand Gedanken gemacht. Und so begannen wir, in gemütlicher Runde, mit – ihr wisst schon was. Wir knallten uns einen. Allerdings gesittet. Und mit Stil. Wie man das so kennt.

Ich weiß gar nicht, wie viele Stunden wir in der Hütte saßen. Draußen wurde es dunkel und irgendwann sagten wir uns, dass wir die wohlige Wärme der Hütte verlassen sollten um durch die kalte, finstre Nacht Richtung Gaststätte zu ziehen. Uns ging es allen gut. Niemand hatte Ausfallerscheinungen. Wie gesagt. Gesittet und mit Stil.

Der Frost knallt Dir einen vor den Latz.

Grünkohl

Diverse Spiele gehören zu einem Kohlgang einfach dazu. Bei diesem Kohlgang war es zwar kalt, aber Schnee lag nicht.

Als wir dann die Hütte verließen und die Kälte unsere Nasenspitzen kitzelte, knallte der Frost uns einen vor den Latz. Naja. Jedenfalls mir. Ich war schlagartig voll. Steinvoll. Randvoll. In der warmen Hütte war alles gut. Das Bier floss und zeigte nur wenig Wirkung. Draußen, vor der Tür, in der Kälte und der frischen Luft, sah alles plötzlich ganz anders aus. Ich kann gar nicht sicher behaupten, dass es allen so ging. Aber ich glaube schon.

Witziger weise kann ich mich nur noch bruchstückhaft an den Gang erinnern. Ich weiß noch, dass wir noch nicht mal los waren und die Anlage schon halb geschrottet hatten. Auch das Rundumlicht funktionierte nicht. Später stellte sich dann heraus, dass wir einfach vergessen hatten, die Batterie anzuklemmen. Kein Strom, kein Licht. Kein Strom, keine Musik.

Und ich weiß noch, dass wir uns total durch den Schnee gequält haben. Zwischendurch überlegten wir sogar, den Wagen einfach irgendwo abzustellen. Allerdings hätten wir dann keine Getränke mehr gehabt, was auch scheiße gewesen wäre. Wir haben viel gelacht und am Ende mussten wir doch eine gute Stunde laufen. Gedächtnisprotokoll.

Den Kohl gab es dann bei Helga. Helga betreibt die kleine Kneipe am Rande unseres Dorfes und hier gibt es weit und breit den besten Grünkohl. In dem kleinen Saal, direkt hinter dem Tresen, aßen wir dann. Wir ermittelten den Kohlkönig und irgendwann war dann Schluss. Keine Ahnung.

Am Wochenende gibt es Grünkohl

Jetzt am Wochenende – ich erwähnte es bereits – gibt es wieder Grünkohl. In Visbek. Ohne Alkohol. Seit drei Jahren trinke ich jetzt keinen Alkohol mehr. Einfach weil ich immer den Kater des Todes habe und das schockt nicht wirklich. Trotzdem schmeckt mir das grüne Gold, wie wir hier so gerne sagen, immer noch vorzüglich.

Wie sieht es denn bei Euch aus? Mögt Ihr Grünkohl? Oder findet ihr das alles ekelhaft? Nehmt Ihr an Kohltouren statt oder organisiert ihr vielleicht sogar selbst? Schreibt mir mal Eure Geschichten in die Kommentare. Ich würde mich echt darüber freuen.  

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