Und am Ende ist es immer die Familie

Meine Frau ist verabredet. In der Stadt. Ein Abend mit Freunden. Ein Grillabend. Sie fährt 25 Minuten mit dem Auto. Über die B401 Richtung Oldenburg. Ich bleibe zu Hause. Mit den Kindern. Und weil das Wetter so schön ist, hole ich den Rasenmäher aus dem Schuppen. 5 Minuten später durbricht das Rattern des Motors die Stille der kleinen Vorstadtsiedlung.

Während ich mit dem Rasenmäher über den doch zu lang gewordenen Rasen fahre, beobachte ich die Jungs, wie sie ausgelassen auf dem Spielhaus toben. Sicherlich, es ist nicht das Beste und vielleicht schon etwas in die Jahre gekommen. Aber sie haben Spaß. Sie lachen. Sie toben. Ausgelassen und ohne jede Form von Sorge. Frech. Abenteuerlich. Manchmal etwas übermütig. Und hin und wieder unfair. Aber dann vertragen sie sich doch wieder.

Ich denke, dass ich diesen Moment festhalten muss. Schnell laufe ich ins Haus und hole die Kamera. Dann stelle ich mich zu Ihnen und beginne zu fotografieren. Mein Ältester bemerkt genau das und beginnt automatisch damit, sein Verhalten zu verändern. Er stellt das Spiel ein, stellt sich gerade hin. Dann lacht er in die Kamera. Aber nicht so, wie er sonst lacht. Irgendwie angespannt. Hölzern. Künstlich. Ich habe den Moment verdorben und muss darüber nachdenken. Diese Sache muss ich anders angehen.

Ich bin einfach gar nicht da.

Ich bedanke mich bei den Jungs, dass ich ein Foto machen durfte. Dann gehe ich ins Haus und lege die große Kamera zur Seite. Ich schnappe mir die Kleine. Leise. Unauffällig. Schnell verschwunden. Der Rasenmäher unterbricht wieder die Stille und die Jungs verfallen wieder in ihr Spiel. Sie lachen wieder. Sie sind wieder frech und toben wild. Genauso, wie Kinder sein sollten. Laut. Frech. Wunderbar.

Mit dem Rasenmäher als Tarnung fahre ich um das Spielhaus. Unter den Mirabellenbaum. Zum Schuppen. Mal hier. Mal da. Und immer dann, wenn die beiden gar nicht damit rechnen, drücke ich auf den Auslöser. Die Jungs sind so, wie sie sind. Nichts ist hölzern, gezwungen oder unecht.

Eigentlich sollten alle Familienfotos so sein. Aber meistens sind sie es nicht. Weil wir uns zu viele Gedanken machen. Wie sollen wir uns hinstellen? Was sollen wir anziehen? Wäre es vielleicht eine gute Idee, wir würden alle das Gleiche tragen? Blaue Hose, weißes Hemd? Das wäre doch eine schöne Idee, oder nicht? Nein. Wäre es nicht. Und ich weiß auch gar nicht, wo dieser Trend herkommt, denn Hand aufs Herz – wann tragen wir, innerhalb der Familie, tatsächlich alle die gleiche Kleidung? Wir? Nie.