Manchmal bekommt man Besuch. Freunde kündigen sich an. Oder die Familie. Manchmal klingeln die Nachbarn an der Haustür und fragen, wie es einem geht. Das ist immer schön, obwohl manchmal unerwartet. Aber wie gesagt, immer schön. Und wenn dann mal eine Eule zu Besuch kommt und sich im Kirschbaum im Garten für eine Weile niederlässt – dann ist das ebenfalls schön. Finde ich jedenfalls.

Natürlich kam die Eule ganz unerwartet. Oder anders gesagt: Sie war einfach da. Ich hatte sie nicht einmal bemerkt. Nur mein Hund, Andor, der war auf einmal ganz aufmerksam. Er schlich geschickt um den Kirschbaum herum, schnupperte und streckte seine Nase immer wieder gen Himmel. Ich dachte mir zunächst nichts dabei. Das macht er öfter. Ein Jagdhund. Ist das vielleicht der Jagdtrieb? Wahrscheinlich, so dachte ich, saß nur wieder irgendein Vogel im Baum. Wenn es hochkommt, eine Katze. Wobei – da hätte er mehr gebellt.

Der er bellte nicht. Gar nicht. Er schaute nur in die Krone des Baumes. Plötzlich vernahm ich ein anderes Geräusch. Ein Rufen. Eines, dass ich zwar schon einmal gehört, aber in diesem Augenblick nicht zuordnen konnte. Also erhob ich mich aus meinem Gartenstuhl. Unter dem Kirschbaum angekommen, schaute ich in die Krone, konnte aber im ersten Augenblick nichts erkennen. Die Eule war grandios getarnt. Erst als sie sich bewegte, den Kopf drehte und wieder rief, konnte ich sie sehen.

Ein Foto von der Eule

Eule

Ich wollte ein Foto. Von dieser Eule. In unserem Baum. Doch ich war mir sicher, dass die Zeit nicht reichen würde, die Kamera zu holen. Sicherlich würde das Tier ihre Flügel schwingen und an eine, anderen Ort nach Ruhe suchen. Trotzdem ging ich los. Aber ich ließ mir Zeit. Ganz in Ruhe. Ohne Stress. Wie gesagt, ich glaubte nicht daran, dass die Eule auf mich warten würde.

Doch sie tat es. Sie wartete. Als ich mit meiner Kamera zurück kam, saß sie immer noch in dem Baum. Ich fotografierte sie ganze 56 Mal. Allerdings konnte ich die meisten Fotos nicht verwerten. Mal waren sie unscharf, mal verwackelt, mal falsch belichtet. Doch unter diesen ganzen schlechten Fotos war eines dabei, dass ich wirklich gut fand und auf dem man dieses wunderschöne Tier gut sehen konnte.

Die Eule blieb noch bis ca. 21 Uhr in dem Baum sitzen. Und dann, ganz plötzlich, flog sie los, breitete ihre großen Flügel aus und flog über unser Hausdach in die Ferne. Wahrscheinlich Mäuse fangen. Eulen machen das so. Habe ich mir mal sagen lassen.

2 Kommentare
  1. Annette sagte:

    Guten Tag Torsten,

    ich bin auf Deine Seite geflogen, wie die Eule auf Deinen Kirschbaum.
    Auf einmal war der Kirschbaum da, also Deine Seite und ich verweile nun schon eine Zeit lang und lese und lese und finde Deine Gedanken, Deinen Blogg richtig gut. Manchmal erkenne ich mich wieder, schmunzel und lese weiter und weiter. Mitunter stelle ich mir ähnliche Fragen über mein Leben, den Tod, Sinn und ja, einfach weiter machen, wieder neu anfangen, aber dieses Mal nur für mich.
    Mein Tag beginnt jetzt, aber ich komme bestimmt wieder zurück um zu lesen.
    Vielen Dank die Nette

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    • Torsten Luttmann sagte:

      Hey Annette, vielen Dank für Deinen Kommentar. Und vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, meine Texte zu lesen. Das bedeutet mir viel. Ich freue mich, dass Du meine Seite hier gefunden hast und bin genauso froh, dass Du wiederkommst! :-D

      Antworten

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