Ab einer gewissen Uhrzeit ist es still im Haus. Die Kinder schlafen. Meine Frau hat sich zur Ruhe gelegt und der Hund sabbert nur noch in sein Kissen. Es ruft niemand mehr an. Der Fernseher ist still und wenn man ganz aufmerksam lauscht, hört man vielleicht das Ticken der Uhr. Tick. Tock. Tick. Tock. Und mit jedem Ticken bemerkst Du, wie langsam aber sicher die Zeit vergeht.

Und dann ist es still. Ganz still. Und selbst das Ticken der Uhr ist in ungreifbarer Nähe. Verstummt. Nicht mehr existent. Obwohl es natürlich noch vorhanden ist, nimmt man es einfach nicht mehr war. Weil man nicht mehr da ist. Mit seinen Gedanken. Man ist woanders. Man träumt. Man spinnt. Man denkt sich Dinge aus. Wie sie sein könnten. Oder wie man es gerne hätte. Und während man darüber nachdenkt, stellen sich die altbekannten Geister in den Weg. Was wäre wenn. Und wenn? was dann?

Anstelle der schönen Gedanken machen sich dunkle Gebilde im Kopf breit. Irgendwie ist man darauf programmiert, über das Scheitern nachzudenken. Denn eigentlich kann es nicht so einfach sein. Und wenn es so einfach wäre, warum machen es nicht einfach alle? Nein. Einfachheit. Die gibt es nicht. Oder vielleicht glaubt man auch nur, dass sie nicht existent ist, weil das im Leben so nicht läuft. Oder laufen soll. Weil man während all der Jahre in den Schulen, auf den Stühlen, vor den Tafeln auf anderes vorbereitet wurde. Das Leben ist nicht einfach. Das haben sie immer gepredigt. Mit ihren Regeln. Gesetzen. Vorgaben. Und wenn man mal eine Lösung richtig hatte, aber der Weg den man gegangen ist falsch war, dann zählte die Lösung nicht. Falscher Rechenweg. Falsche Kreuzung. Nein. So läuft das nicht. So läuft das nicht. So haben wir es Dir nicht beigebracht.

[headline]Ich könnte scheitern. Und was würden dann die anderen von mir denken? Wahrscheinlich bin ich schon zu alt. Außerdem braucht es Geld. Glück. Beziehungen. Ich habe alles schon versucht. Und die Möglichkeiten? Die hatte ich ja nie. Außerdem habe ich keine Zeit, was mich natürlich zu einem Opfer meiner Umstände macht.[/headline]

Es ist still. Leise. Nur die Uhr gibt ihren Laut im Sekundentakt von sich. Ein schönes Geräusch. Ein motivierendes Geräusch. Die Zeit läuft. Sie bleibt nicht stehen. Und ich denke darüber nach, dass ich sie gewissenhaft verschwenden sollte. Stück für Stück. Natürlich habe ich Angst. Und natürlich frage ich mich, was wäre wenn. Aber dann male ich mir ein Bild, das mir zeigt, was wäre wenn. Was wäre wenn, wenn ich es einfach mal machen würde. Was wäre wenn, es funktioniert. Und in mir keimt ein Lachen auf. Ein Wort steigt auf und möchte meine Lippen verlassen. Die Stille durchbrechen. Zwei Buchstaben. Ein Leben. Ja.

Einfach mal machen statt was wäre wenn.

 

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