Die Reise beginnt

Vom Norden. Vom Wind. Vom Meer.

Ein typisch norddeutscher Morgen im November. Dichter Nebel, fast undurchsichtig, legt sich über das Land. Die Bäume erscheinen wie Geister. Wie Geister, mit hunderten Fingern, die sie mahnend in den Himmel strecken. Irgendwo, weit weg von der Stadt, am äußeren Rande des Vorortes, läuft ein alter Mann über den Hof. Links, das Wohnhaus. Rechts, die Ställe, in denen das Vieh untergebracht ist. Er trägt eine schwarze Manchesterhose, einen blauen Arbeitskittel. Auf dem Kopf eine Prinz-Heinrich-Mütze. In den Taschen seines Kittels findet man, wenn man sucht, eine Packung Zigaretten. Und eine Schachtel Streichhölzer. Vor ihm läuft sein Hund. Ein alter, brauner Labrador. Es ist kurz nach acht. Der erste Tee? Längst getrunken. Das erste Brot, längst gegessen.

Weiter hinten, hinter Wohnhaus und Ställen, liegen große Säcke aus Papier. Pappkartons. Vielleicht ein wenig Folie. Aber nur vielleicht und wenn – dann ausversehen. Der alte Mann greift in seine Taschen, kramt nach Zigaretten und Streichhölzern. Der erste Rauch verschwindet im Nebel und wird fast eins mit ihm. Aus der Ferne wird man ihn nicht erkennen können. Das zweite Streichholz landet im Papier. Kurze Zeit später steigt weißer Rauch in den Himmel auf, der sich mit dem Nebel vereint und – genau wie der Rauch der Zigarette – aus der Ferne kaum wahrnehmbar ist.

Die Reise beginnt…

Am Anfang der Straße wird ein Haus gebaut. Jeden Tag sind Männer auf der Baustelle. Mit jedem Stein, den sie auf den anderen legen, mit jedem Nagel, der das Holz des Daches berührt, binden sie ein Buch. Irgendwann, wenn die erste Nacht sich über das bewohnte Dach legt und die Finsternis die Steine umschließt, wird das erste Wort in dieses Buch geschrieben und das Abenteuer, das den Titel „Leben“ tragen wird, beginnt.

Man könnte meinen, die lauten Geschichten werden in der Stadt geschrieben und die leisen in den Dörfern. Doch überall werden Geschichten geschrieben, die mal laut und manchmal leise sind. Manchmal wird es spannend. An anderen Tagen erscheinen sie langweilig. Manchmal wird man lachen und manchmal muss man weinen.

Ich bin etwas rumgekommen. In diesem Jahr. Nie war ich wirklich weit weg. Und trotzdem habe ich einiges gesehen. Vor einigen Monaten war ich in Neulehe. Einer kleinen Gemeinde im Emsland. 775 Einwohner. Der Bürgermeister, Mitglied der CDU. Sonntags geht es in die Kirche. Große Höfe liegen an den weiten Straßen und zwischen ihnen gibt es große Flächen, auf denen manchmal der Mais in die Höhe wächst und manchmal friedlich Kühe grasen.

An diesem Wochenende haben Marion und Wilfried sich das „Ja-Wort“ gegeben. Sie haben sich getraut und geheiratet. Auf dem Hof stand ein großes Zelt und viele Gäste waren gekommen, um mit den Beiden zu feiern. Es war ein schönes Fest. Es wurde viel getanzt, gelacht, getrunken und gegessen. Und um Mitternacht erleuchtete ein großes Feuerwerk den Sternenhimmel.

Warum erzähle ich Dir das alles?

Der kleine Ort Neulehe war mir nie ein Begriff. Ich kannte ihn nicht und wäre ich einfach mal durchgefahren, so hätte ich ihn sicherlich nicht wahrgenommen. Doch durch meine Arbeit als Fotograf hat sich mein Leben in den letzten Jahren etwas geändert. Ich bin aufmerksamer geworden. Aufmerksamer, was die kleinen Details im Leben betrifft. Die Dinge, die alles im Grunde genommen schöner machen.

Wenn man genau hinsieht, kann man in vielen Dingen etwas Schönes sehen. Doch weil unsere Zeit so schnelllebig geworden ist, haben wir manchmal einfach nicht die Zeit. Die Zeit, um genau hinzusehen. Und so entgeht uns oft das Schöne in der Welt, weil wir nicht anhalten können, um danach zu suchen. Und wenn wir dann mal Zeit haben, reisen wir in ferne, unbekannte Länder. Vielleicht, weil in diesen das Wetter immer besser ist. Oder weil die Schönheit so offensichtlich ist und wir nicht lange danach suchen müssen.

In den letzten Jahren bin ich viel hin und her gesprungen. Ich wollte dieses machen. Oder jenes. Ich habe hier etwas verändert und da etwas neugestaltet. Neue Logos. Neue Namen. Und immer irgendwie auf der Suche nach dem, von dem ich glaubte, dass es richtig sein könnte. Gefunden habe ich es irgendwie nie.

Am Anfang schrieb ich über Musik. Metal. Meistens. Doch ehrlich gesagt, war ich nie das, was ich glaubte zu sein. Ich wollte etwas sein, dass ich nicht war. Ich schrieb über das Leben, über Erfolg und Freunde – obwohl ich davon eigentlich nie etwas verstand. Texte über Lebenswege, Erfolgsrezepte und Wahrheiten – die zwar meine waren, aber eben auch nur das. Was Lebenswege, Erfolg und Glück betrifft: Es gibt keine allgemeingültigen Rezepte. Vielleicht Tipps. Und der Wichtigste ist: Mach das, was Dich glücklich macht. Alles andere ist egal.

Vom Norden. Vom Wind. Vom Meer.

Es war im August. Ein Dienstag. Ein schrecklicher Tag. Jedenfalls fing er so an. Mein Kopf war voll mit Dingen. Ein riesiges Chaos. Ein wildes Durcheinander. Es war so schlimm, dass sogar Tränen flossen. Ich saß an meinem Schreibtisch und merkte, dass nichts funktionierte. Ich hatte eine große To-Do Liste, aber keine Termine. Also beschloss ich, nichts zu tun. Zuerst spielte ich mit dem Gedanken, zurück ins Bett zu gehen. Zu schlafen. Aber das würde die Sache nicht besser machen. Also – ich weiß nicht, wie ich darauf kam – fuhr ich ans Meer. An die Nordsee. Nach Norddeich. Eine gute Stunde mit dem Auto.

Auf dem Weg Richtung Norden, bemerkte ich bereits, wie sich das Chaos verzog. Ich wurde innerlich ruhiger. Entspannter. Ich konnte die Fahrt genießen. Auf dem Weg sah ich links und rechts von mir, große Weideflächen, die von kleinen Gräben durchzogen waren. Am Horizont drehten große Windkrafträder ihre Kreise und am Himmel entdeckte ich die ersten Möwen, die auf beeindruckende Weise ihre Künste unter Beweis stellten. Ich fuhr nicht schnell. Langsam. Ruhig. Nichts trieb mich.

In Norddeich angekommen, waren die Gezeiten auf meiner Seite. Und auch das Wetter spielte mit. Es war nicht warm. Jedenfalls nicht für August. Es war aber auch nicht kalt. Im Grunde genommen war es irgendwie perfekt. Ich spazierte am Meer entlang und schaute aufs Wasser. Überall waren Menschen. Manche saßen auf den Wiesen, andere auf Bänken. Kinder tobten im Sandstrand und bauten kleine Burgen. Andere liefen durchs Wasser. In der Ferne waren Windsurfer, die mit ihren Boards über Wasser glitten. Es sah so einfach aus. So unbeschwert.

 

Ein etwas anderer Reiseblog – Ein Küstenblog

In der Nähe des Hafens fand ich eine kleine Bank. Von hier aus hatte man einen guten Blick aufs Meer. Und auf den Hafen. Manchmal kam ein Schiff von der See in den Hafen. Manchmal verließ ein Kutter seinen Liegeplatz. Und immer zogen die Möwen ihre Kreise und unterstrichen diese mit lautem Geschrei. Trotzdem war es nicht laut. Es war friedlich. Und innerlich spürte ich, angekommen zu sein. Auf die eine oder andere Weise.

Die Beine ausgestreckt. Die Hände in den Hosentaschen. Den Blick in die Weite gerichtet und alle Gedanken verloren. Ich saß da, auf meiner Bank und hielt die Zeit an. Keine Hektik. Keinen Stress. Keine Gedanken über das, was war. Alles war perfekt. An diesem Ort. Zu dieser Zeit. In dieser Situation. Ich dachte nach über das, was kommen würde. Und die Gedanken waren sorgenfrei und von jeglicher Angst befreit. Ein schönes Gefühl. Ich musste an die kleinen Orte denken, die ich in den vergangenen Wochen gesehen hatte. Neulehe war zu diesem Zeitpunkt noch nicht dabei.

Ich saß dort, im August, am Meer und dachte nach. Einfach so. Und ich dachte darüber nach, wie schön es wäre, über den Norden zu schreiben. Über den Norden, den Wind und das Meer. Ich malte mir aus, wie es wäre, die kleinen Orte zu besuchen. Fotos zu machen. Davon zu erzählen. Ich dachte an die vielen Geschichten, die niemand hört, weil sie niemand erzählt. Und ich fragte mich, ob ich derjenige sein könnte, der sie erzählt. Allerdings habe ich eine Antwort darauf, bis heute nicht wirklich gefunden.

… mit dem ersten Schritt.

Es ist November. Das Feuer des alten Mannes ist längst gelöscht. Der alte Hund liegt in der Küche. Vor dem alten Küchenofen, in dem ein anderes Feuer brennt und auf dem immer noch gekocht wird. An der Wand hängen blauweiße Fliesen. Jede einzelne erzählt eine Geschichte vom Meer. Von den großen Viermastern. Von Seemännern oder den alten Zeiten an den alten Kanälen. In der Ecke, vor dem Fenster, sitzt der alte Mann auf einem Biedermeierstuhl. Er liest die Zeitung, die Zigarette liegt neben ihm auf dem alten Holztisch. Wenn man genau hinschaut sieht man, dass die Glut nicht immer den Aschenbecher gefunden hat. Jedes Brandloch, jeder Schnitt und jede Macke in dem alten Holz erzählt eine Geschichte.

Der Hund blickt auf. Zu Tür, die sich langsam öffnet. Hier wird nicht geklopft. Nicht geklingelt. Sie steht immer auf und jeder kann herein. Der Nachbarsjunge kommt. Er setzt sich an den Tisch und wartet. Kurz darauf drückt der alte seine Zigarette aus. Er dreht sich zu dem Jungen, lacht ihn freundlich an. „Na. Wat sech de Esel, wann he in de Dörn kump?“ „Moin.“

Moin.

Die Reise beginnt. Mit dem ersten Schritt. Jede Reise beginnt so. Und eben auch diese. Ich möchte Dir davon erzählen. Von meiner Reise. Vom Norden. Vom Wind. Und vom Meer. Ich möchte Dich gerne mitnehmen. Ich möchte Dir den Norden zeigen. Dir Geschichten erzählen. Manchmal wirst Du es vielleicht spannend finden. Manchmal vielleicht langweilig. Vielleicht musst Du manchmal lachen. Und ganz bestimmt auch mal weinen. Aber so ist es halt. Das Leben. Und hier ist es nicht anders.

Ich würde mich freuen, wenn Du mich begleitest. Hier. Auf Facebook oder Instagram. Auf YouTube, wo ich gerne auch mal Filme zeige. Ich möchte Dir den Norden zeigen. Die großen Städte, die kleinen Dörfer. Ich möchte Dir vom Meer erzählen, aber auch von den Feldern, den Wäldern und den kleinen Wegen. Ich möchte Dir Menschen zeigen und alles das, was ich so sehe.

Vielleicht interessiert Dich das nicht. Weil Du mir wegen anderen Dingen gefolgt bist. Vielleicht möchtest Du diesen Weg nicht mitgehen. Dann ist das in Ordnung. Und ich danke Dir, dass Du mich bis hier begleitet hast. Aber es würde mich freuen, wenn Du bleibst.

#nordenwindmeer

Und vielleicht schaffen wir es, eine kleine Community zu werden. Eine Gemeinschaft von Menschen, die eine Vorliebe für den Norden, den Wind und das Meer haben. Vielleicht teilen wir unsere Geschichten, auf Facebook oder Instagram. Und eigentlich ist das ganz einfach. Wenn Du zum Beispiel ein tolles Fotos aus dem Norden hast und es mit Deinen Freunden und Followern auf Instagram teilen willst, kannst Du es auch hier zeigen. Auf diesem Blog. Benutze einfach das Hashtag #nordenwindmeer und Dein Foto – sofern Dein Profil öffentlich ist – landet auf dieser kleinen „Social-Media-Wall“. Das Gleiche gilt übrigens auch für Deine Tweets auf Twitter.

Ich werden in den nächsten Tagen ein kleines Video veröffentlichen, auf dem ich die Idee hinter Zwischenzeiten.com noch einmal genauer erklären werden. Aber ich denke schon, dass ihr wisst, wohin die Reise gehen wird. In den Norden. In den Wind. Und an das Meer.

Seid Ihr dabei? Wenn ja, ich freu mich.

 

 

 


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Ein Sonntag des Miteinanders, ein Gefühl von Frieden.
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