„Pass mir auf im Moor“, hatte meine Großmutter mich immer schon gewarnt. „Was Du im Augenblick schön findest, kann im nächsten Dein Grab sein.“ Auf ihre besondere Art hatte sie mir schon als Kind von den Tücken des Moores erzählt. Vom Torf, vom Wasser und von den Kindern, die in den weiten Feldern ihr Leben ließen. Sicherlich war einiges erfunden, überspitzt und mit etwas Grusel gespickt. Aber im Grunde genommen hatte sie recht und wir Kinder taten gut daran, auf die alte Dame zu hören, die uns doch so ans Herz gewachsen war.

Das Witzige daran ist, dass wir das Moor gar nicht direkt hinter dem elterlichen Hof hatten. Wir mussten mit unseren kleinen Rädern schon eine ganze Strecke zurücklegen, um das Moor zu erreichen. Irgendwie hatten wir darauf aber nie wirklich Bock. Heute sieht die Sache schon anders aus. Und wenn man kurz ins Auto steigt, dann hat man das größte Moor quasi doch direkt vor der Haustür. Die Esterweger Dose. Das wohl größte Naturschutzgebiet im Weser-Ems-Gebiet.

Moor

Die Esterweger Dose – über 4.000 ha Naturschutzgebiet

Das Naturschutzgebiet Esterweger Dose besteht seit dem 22. Dezember 2005. Es ist 4.747 ha groß. Davon liegen 2.080 ha im Landkreis Emsland, 1.942 ha im Landkreis Cloppenburg und 725 ha im Landkreis Leer. Der größte Teil des Naturschutzgebietes ist übrigens Bestandteil des gleichnamigen EU-Vogelschutzgebietes.

Man kann das Naturschutzgebiet Esterweger Dose übrigens gut über die Bundesstraße 401 erreichen. Fährt man von Oldenburg aus Richtung Papenburg, so findet man einen Zugang zum Moor direkt gegenüber der Abfahrt „Esterwegen“. Von hier aus sind es nur wenige Schritte bis zu einer Aussichtsplattform, von der aus man einen guten Blick über das Moor hat. Allerdings sollte man sich nicht wundern: In der Esterweger Dose wird auch heute noch Torf abgebaut. Dementsprechend kann man immer mal wieder arbeitende Menschen sehen, die – wie sollte es anders sein – den Torf im Moor abbauen.

Fährt man dann weiter, Richtung Esterwegen, findet man den MoorInfoPfad. Ein interaktiver Lehrpfad im Naturschutzgebiet Melmmoor/Kuhdammoor. Auf rund einem Kilometer gibt es an 17 Stationen allerhand interessante Einblicke in den Lebensraum Moor.

Die Gedenkstätte Esterwegen – Zwangsarbeit im Moor

Wenn man auf dem MoorInfoPfad unterwegs ist, fällt einem irgendwann ein großer, schwerer Stahlsteg auf. Vom Moor aus führt dieser zum Eingangsbereich der Gedenkstätte Esterwegen. Diese Gedenkstätte erinnert an die Emslandlager. Eine Gedenkstätte, die an die 15 Emslandlager erinnert, die während der Nazizeit errichtet wurden.

Zwischen 1933 und 1945 unterhielt der NS-Staat im Emsland und in der Grafschaft Bentheim 15 Gefangenenlager. Als Teil des Systems von SS, Justiz und Wehrmacht waren sie alle Orte des NS-Terrors. Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein mussten die Gefangenen schwere Zwangsarbeit in der Moorkultivierung, ab Mitte 1942 in der Torf- und Rüstungsindustrie und in Bombenräumkommandos, leisten.

In den Emslandlagern litten insgesamt etwa 80.000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene, während des Krieges zusätzlich weit mehr als 100.000 Kriegsgefangene. Mehr als 20.000 Menschen verhungerten, starben an Erschöpfung und Krank- heiten, als Folge körperlicher Misshandlungen oder wurden „auf der Flucht erschossen“.

Weiterführende Links zur Esterweger Dose:

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.