Es ist die Nacht, die sich mir um die Ohren schlägt. Ich kann nicht schlafen. Bin zu aufgewühlt. Zu aufgeregt. Viel zu umtriebig. Und doch spüre ich die Müdigkeit. In meinen Augen und Fingern. In den Gelenken und Gedanken. Man fragt sich dieses. Man fragt sich jenes. Man fragt sich vieles. Und am Ende? Am Ende ist vielleicht ein neuer Plan im Land. Oder Chaos im Kopf. Ganz genau, weiß man es nicht.

Wenn man Angst hat, dann muss man sich ihr stellen. Denn vielleicht ist es die Angst, die einem den richtigen Weg weist. Die einem sagt, wohin man gehen muss. Oft ist es so, dass man sich vor dem, was man wirklich will, fürchtet. Weil man nicht weiß wie es ausgeht. Am Ende. Doch das Ende ist immer so weit entfernt und so lange das Herz noch schlägt, gibt es kein Ende. Nur verpasste Augenblicke. Nur verpasste Chancen. Und wäre es so schlimm, zu verlieren? Wäre es so tragisch, wenn man mal eine Niederlage einstecken muss? Die Erde dreht sich weiter. An jedem Morgen geht die Sonne auf. Und immer hat man die Möglichkeit eine neue Geschichte zu schreiben. Einen anderen Weg zu gehen.

Es dauert nicht mehr lange. Der Morgen graut. Die Sonne wird aufgehen. Im Osten. Weit hinter unserem Haus. Hinter den Bäumen und den anderen Dächern der kleinen Vorstadtsiedlung. Rasen werden gemäht. Straßen werden gefegt. Alles wird auf Hochglanz gebracht. Manche glauben, dass muss so sein. Andere denken, es wäre vielleicht schöner so. Und einige lassen es ganz. Weil sie andere Pläne haben. Hierhin. Dorthin. Einfach nur raus. Weg. Vielleicht ans Meer? In die Berge? Einsteigen. Losfahren. Niemals wiederkommen.

Gleich ist es drei. Die Nacht neigt sich dem Ende. Und ich? Schlaflos. Mit tausend Ideen und Gedanken. Irgendwie allein, aber niemals einsam. Freunde sind gekommen. Freunde sind gegangen. Aber so ist das wohl im Leben. Und irgendwie ist dieses Leben wie ein Brettspiel. Nur ohne Würfel. Denn diese sind gefallen. Liegengeblieben. Auf dem Boden. Im Staub. Verloren und Nutzlos. Festgetreten in der Erde und dann vergessen. Das Leben ist ein Spiel. Nur ohne Würfel.

Oft stehe ich am Rand. Schaue zu. Bin dabei, aber kein Teil davon. Ich nehme alles war, ohne wirklich wahr zu sein. Ich verstecke mich. In Ecken. Hinter Balken. Zwischen Menschen. Ich kann unsichtbar sein. In dem größten Trubel bleibe ich unentdeckt. Manchmal betrete ich einen Raum. Manchmal verlasse ich einen Raum. Ich komme und gehe. Ich beobachte und halte fest. Gebe dem Raum Dauer und verschwinde so leise, wie ich gekommen bin.

Es ist der Sohn, der mit seiner Mutter tanzt. Es ist der Vater, der die Hand seiner Tochter hält. Und dann, im Schein der Musik, im Glanz des Lebens, hält die Welt einen Augenblick lang an und verneigt sich. Still. In Demut. Und voller Liebe. Alles ist vergessen. Kein Leid. Kein Hass. Keine Missgunst. Ein Duft von Nelken erfüllt den Raum. Eine Träne berührt den Boden. Leise. Still. Ungesehen fällt sie zu Boden. Gefolgt von einem Lachen, dass ein Bild der Erinnerung malt.

Ich verlasse den Saal. Gehe nach draußen. Atme die Luft ein und genieße die Dunkelheit. Die Dunkelheit, in der ich voll und ganz verschwinde. Niemand sieht mich. Niemand hört mich. Nur die Melodie in meinem Kopf schwingt durch die Welt und hört ganz leise auf. Irgendwann schließe ich die Augen. Schlafe ein. Tief. Fest. Bis zum nächsten Morgen, der ganz bestimmt schon auf mich wartet. Und vielleicht…

…und vielleicht stelle ich mich der Angst und gehe einen anderen Weg. Denn das Leben ist wie ein Brettspiel. Nur ohne Würfel.

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