Lügen begleiten uns. Jeden Tag. Manchmal, erzählen wir sie, weil wir andere nicht verletzen wollen. Manchmal, weil wir glauben uns damit selbst zu schützen. Die schlimmsten und schwersten Lügen sind aber jene, die wir uns selbst erzählen. Nachts. Wenn es dunkel ist. Kurz bevor wir einschlafen. Wir flüstern unsere Lügen in die Nacht und reden uns ein, dass wir glücklich sind. Das diejenigen glücklich sind, die uns am Herzen liegen. Das wir uns ändern können. Wir reden uns ein, dass unsere Sünden keine Wellen schlagen, unsere Worte keine Narben hinterlassen. Wir sagen uns, dass wir loslassen können. Jede Nacht belügen wir uns selbst. Dann schlafen wir ein und träumen davon, dass unsere Lügen mit den ersten Sonnenstrahlen zur Wahrheit werden.

Unsere Lügen sind wie Steine, mit denen wir ein Gebäude um uns selbst bauen. Mit jeder Lüge vergessen wir, dass dieses Gebäude kein Fundament hat und jeder Stein nur lose auf dem anderen liegt. Wir bauen ziellos, orientierungslos, ohne wirklichen Plan. Am Anfang funktioniert alles. Alles hält, doch je höher das Gebäude wird, desto instabiler werden die Mauern, die uns umgeben. Und irgendwann reicht ein kleiner Windstoß und alles bricht über uns zusammen. Was bleibt sind Schmerzen, Verletzungen und ein riesiger Haufen Müll. Ein riesiger Haufen Müll aus dem wir uns selbst befreien müssen.

Woher ich das weiß? Weil mein Gebäude umgestürzt ist. Und alle Steine auf mich fielen. Weil ich unter dem, was ich mir aufgebaut habe, zusammengebrochen bin. Und was übrig blieb war Staub und Dreck, Tränen und Schmerz. Und eine Dunkelheit, die sich wie eine tiefe Leere in mir ausbreitete und ganz lange blieb. Sie hielt mich fest, lies mich nicht los und der Gedanke an die Sonne war nur ein fahler Traum, nicht mehr als eine vage Vorstellung. Und es war unheimlich schwer die Wahrheit zu akzeptieren. Denn alles was ich hören wollte, waren die Lügen, die ich mir selbst immer wieder erzählt habe.

Ein Schauspieler in verschiedenen Rollen

Ich war nie das, was ich glaubte zu sein. Ich werde nie sein, von dem ich mir sagte, dass ich es bin. Ein Schauspieler. Das ist, was ich war. Ein Mensch, der eine Rolle spielte um anderen zu gefallen. Dinge tat, die er nie tun wollte, nur, weil er glaubte ein Teil eines Ganzen zu sein. Ein Teil des Ganzen bei dem er selber nur am äußeren Rand stand. Hinter der Linie. Vor dem Fenster. Mit dem Blick nach innen. Doch damit ist längst Schluss.

Ich habe mich verändert. Jetzt bin ich ehrlich zu mir selbst. Meine Gedanken sind das, was ich denken will. Ich sage das, was ich sagen will. Und manchmal verletzte ich Menschen, mit dem was ich sage. Nicht, weil ich das möchte, sondern weil ich es muss. Denn es tut mir selbst mehr weh eine Lüge zu leben, als jemanden mit der Wahrheit zu konfrontieren. Vielleicht ist das der Weg zur Einsamkeit. Aber es ist der beste Weg die richtigen von den falschen Menschen zu trennen. Und am Ende bleiben die übrig, die Dir wirklich etwas bedeuten sollten.

Meine Geduld ist längst verloren.

Seit einigen Jahren habe ich meine Geduld verloren. Meine Geduld für bestimmte Dinge. Für bestimmte Menschen. Das mag arrogant erscheinen, ist es aber nicht. Denn durch das, was war, bin ich an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich einfach keine Zeit mehr mit dem, was mir missfällt oder mich verletzt verschwenden will. Ich habe keine Geduld mich mit ungerechtfertigter Kritik an mir und meiner Person zu beschäftigen. Ich habe keine Lust mehr auf Forderung jeder Art, die mich oder meine Lebensweise betreffen.

Den Willen, jenen zu gefallen, die mich nicht mögen, habe ich aufgegeben. Die Kraft die zu lieben, die mich nicht lieben, habe ich verloren. Und jenen, die mir kein Lächeln schenken wollen, schenke ich kein Lachen mehr.

An all die Menschen, die mich in der Vergangenheit durch ihre Lügen manipulieren wollten, verschwende ich keine Minute mehr. Und all jene, die versuchen mich mit Verstellung, Unehrlichkeit und billigem Lob auf ihre Seite ziehen, meide ich. Denn sie sind es einfach nicht wert, dass man sich mit ihnen beschäftigt.

Unsere Welt ist eine Welt voller Gegensätze. Wir alle sind verschieden. Anders zu sein, anders zu denken und eigene Überzeugungen zu haben, ist genau das, was die Natur vorgesehen hat. In all den Wäldern dieser Erde wirst Du kein Blatt finden, dass dem anderen haargenau gleicht. Und weil es in Ordnung ist, anders zu sein, verrückt zu sein, gehe ich unflexiblen Menschen mit starren und festgefahrenen Ansichten aus dem Weg.

Wahre Freundschaft ist mehr als nur zusammensein.

Freundschaft bedeutet, dass Verrat, Ignoranz und Gleichgültigkeit keinen Platz haben. Menschen, die nicht hinter mir stehen, mich nur kritisieren, weil ich vielleicht nicht den Regeln der Gesellschaft entspreche, gehören nicht in den Kreis meiner Freunde. Genauso wenig diejenigen, die keine Komplimente machen können oder in schwierigen Zeiten kein Wort der Ermutigung finden. Und die Menschen, die ich als Freunde bezeichne, können sich auf mich verlassen. Voll und ganz. Sie können sich darauf verlassen, dass ich ehrlich bin, dass ihre Fragen mit der Wahrheit beantwortet werden und das ich da bin, wenn sie mich brauchen.

Alkohol ist für mich kein Thema. Seit fast zwei Jahren habe ich keinen Tropfen angerührt und ich kann für mich sagen, dass ich es hasse mich zu betrinken. Ich möchte diese Leere in meinem Kopf nicht mehr spüren. Diese Dummheit, die Alkohol in mir auslöst, verabscheue ich abgrundtief. Das schlechte Gewissen, das nach jedem Gelage in mir aufkam, vermisse ich in nicht im Geringsten. Jedoch hasse ich es zutiefst, dass ich mich immer noch dafür rechtfertigen muss, nicht zu trinken. Und so habe ich die Geduld mit jenen verloren, die dafür eine Rechtfertigung verlangen. Eine Rechtfertigung, die ich ihnen gar nicht schuldig bin. Gründe, die sie gar nichts angehen. Die Menschen, die ich als Freunde ansehe, fragen nicht danach. Sie akzeptieren es.

Vielfalt im Leben.

Ich nehme es mir heraus, einen riesigen Horizont zu haben. Vieles gut zu finden. Mich nicht auf eine Richtung festlegen zu müssen. Ich mag Heavy Metal. Und HipHop. Mit Schlager kann ich absolut nichts anfangen, was nicht bedeutet, dass es nie einen Song geben wird, der in meinem Leben einen Platz finden kann. Ich mag Menschen aller Nationen, jeglicher Herkunft. Mir ist es egal, welche Sexualität ein Mensch hat, welchen Gott er anbetet und ob er überhaupt einen für sich gefunden hat. Doch meine Geduld hört da auf, wo die Freiheit von anderen angegriffen wird. Und habe ich in der Vergangenheit geschwiegen, aus Angst jemanden zu verletzten, so mache ich jetzt meinen Mund auf. Denn das ist wichtig. Wichtiger als alles andere. Die Freiheit das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können, oder die Freiheit anderer einzuschränken, ist unser höchstes Gut.

Bitte sage mir die Wahrheit.

Wenn Du mir eine Frage stellst, dann sage ich Dir die Wahrheit. Manchmal musst Du auf die Antwort warten, weil ich Zeit brauche um die Wahrheit zu finden. Aber dann, wenn sie kommt, ist sie wahr.

Manchmal trauen wir uns nicht, Fragen zu stellen, weil wir Angst vor der Wahrheit haben. Dann behalten wir die Fragen für uns und erdenken uns die Antworten, die womöglich einer Lüge gleichen.

Und man kann nicht von Freundschaft sprechen, wenn der eine die Wahrheit verdrängt und der andere zum Lügen bereit ist.

Darum sage mir die Wahrheit. Spreche sie frei heraus. Sage, was Du denkst, was du fühlst, was Dich stört und worüber Du Dich freust. Sprich es aus, wenn Dir eine Sache zu viel wird oder Du glaubst zu wenig zu bekommen. Wenn ich Dir auf die Nerven gehe, sag es. Wenn ich Dir etwas bedeute, sprich es aus.

Denn viel schmerzhafter als die Wahrheit sind die Hoffnungen, die auf einer Lüge beruhen. Diese Hoffnungen sind das, woran alles zerbricht. Woher ich das weiß? Ich habe es selbst erlebt. Damals. Vor diesen Tagen.

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3 Kommentare

  1. Monika Fehr Reply 20. November 2016 at 21:43

    Supertoll geschrieben. Auch ich bin schon oft angeeckt weil ich ehrlich war. Dadurch hat sich mein Freundeskreis verkleinert. Aber die die geblieben sind können sich auf mich verlassen und ich mich auch auf die. In einer Freundschaft sollte Ehrlichkeit das Wichtigste Gut sein.

    • Torsten Reply 20. November 2016 at 22:19

      Hey Monika,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich finde es nicht schlimm, wenn man aneckt. Das ist immer besser, als angepasst durchs Leben zu laufen. Und je kleiner der Freundeskreis, desto tiefer ist er. Glaube ich. Irgendwie. 😀

      • nadine Reply 24. November 2016 at 4:13

        Großes Kino… du sprichst mir aus der Seele. Leider bin ich noch nicht so weit…

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